Sonntag, 23. April 2017

Vorsicht bei Kredit-Lasten Bundesbank warnt Immobilien-Käufer vor Preissturz

Neubausiedlung in München

Die Immobilienpreise steigen und steigen - doch noch sieht die Bundesbank keine unmittelbaren Gefahren für die Finanzstabilität. Allerdings warnen die Aufseher vor einer "abrupten Preiskorrektur".

Die Bundesbank warnt Immobilienkäufer vor üppigen Schulden beim Immobilienkauf. Die niedrigen Zinsen verlockten zum Schuldenmachen, sagte die Vizepräsidentin der Notenbank, Claudia Buch, bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichtes 2016. Käufer müssten sich darüber im Klaren sein, dass dann, wenn die Zinsen wieder steigen, die Preise und Bewertungen an den Märkten zurückgehen würden: "Finanzierungen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen angemessen erscheinen, könnten sich dann als nicht nachhaltig herausstellen", warnte Buch.

Derzeit sieht sie trotz teils kräftig gestiegener Preise noch keine gefährlichen Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt. "Obwohl die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland seit dem Jahr 2010 deutlich steigen, gibt es aktuell keine Anzeichen für eine exzessive Kreditvergabe oder eine Abschwächung der Kreditvergabestandards", sagte Buch. Die Finanzbranche vergebe Kredite nach wir vor mit Augenmaß.

Die hohe Nachfrage nach Wohnraum sei auf die steigenden Einkommen, die günstigen Finanzierungsbedingungen und die hohe Zuwanderung zurückzuführen, schreiben die Bundesbank-Experten in ihrem Bericht. Dennoch seien Wohnimmobilien vor allem in den städtischen Regionen weiterhin "überaus hoch bewertet". Im Jahr 2015 habe die Überbewertung in deutschen Städten bei 10 bis 20 Prozent gelegen.

"Risiko einer abrupten Preiskorrektur"

Ein Risiko für die Finanzstabilität sieht die Bundesbank, wenn sich Banken, Investoren und Verbraucher von den aktuellen Niedrigzinsen einlullen lassen. "Die Erwartung eines anhaltend niedrigen Zinsniveaus kann dazu beitragen, dass Akteure an den Finanzmärkten erhöhte Risiken eingehen", schreiben die Experten. "Diese Suche nach Rendite kann wiederum zu Fehlbewertungen von Vermögenspreisen führen." Dadurch bestehe "das Risiko einer abrupten Preiskorrektur". Die Immobilienfinanzierung sei ein Beispiel dafür.

Wer das Risiko trägt, hängt dabei vor allem von der Zinsbindung der Immobilienkredite ab. Vereinbaren Immobilienkäufer langfristige Zinsbindungen - etwa über 15 oder 20 Jahre - und tragen in dieser Zeit einen Großteil ihrer Schulden ab, liegt das Risiko vor allem bei den Banken. Bei kurzfristigen Zinsbindungen oder gar variablen Zinsen trägt hingegen der Verbraucher das größere Risiko.

soc, SPIEGEL ONLINE, dpa-afx

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