Dienstag, 6. Dezember 2016

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Crowd-Investing Ein Scheibchen vom Immobilien-Boom abschneiden

Baustelle Berlin: Kaum eine Anlageform ist derzeit so stark nachgefragt wie das Betongold

Anleger können auch mit kleinen Summen in einzelne Immobilien investieren: Per Crowd-Investing als Alternative zum Immobilienfonds. Sie sollten allerdings genau hinschauen, was sie sich ins Portfolio holen. Echte Hausbesitzer werden sie im Schwarm nämlich nicht.

Hamburg - Die Idee klingt vielversprechend: Als Kleinanleger in eine Eigentumswohnung in Berlin investieren und damit vom aktuellen Immobilienboom profitieren. Möglich macht das der Immobilien-Crowd-Investing-Anbieter Raumrendite. Schon ab 100 Euro Mindestanlage können sich Geldgeber beteiligen. Die Idee: Viele Anleger schmeißen Geld zusammen und investieren gemeinsam in eine Immobilie, die für sie allein viel zu teuer wäre.

Im Gegensatz zu klassischen Immobilienfonds investieren die Anleger dabei nur in ein einziges Objekt. "Ich halte das für deutlich attraktiver als bei einem Immobilienfonds, weil Anleger sich selbst ein Urteil bilden können, wo genau sie investieren", sagt Robert Dotzauer, Gründer von Raumrendite. Das Crowd-Investing ist aus dem Crowd-Funding hervorgegangen, bei dem Organisationen übers Internet Spenden einsammeln.

Findige Finanzierer haben daraus das Crowd-Investing entwickelt, vor allem um Start-Ups zu finanzieren. Das klappt besonders gut, wenn die Investments nachvollziehbare Geschäftsideen versprechen, damit eine breite Masse darauf anspringt. Hier kommen Immobilien ins Spiel: Kaum eine Anlageform ist derzeit so stark nachgefragt. Das Betongold boomt, weil Anleger Angst vor Inflation und Euroschwäche haben.

Krise der Immobilienfonds rückt Crowd-Investments in den Fokus

Nachdem kriselnde offene und geschlossene Immobilienfonds zuletzt vor allem Negativ-Schlagzeilen produziert haben, scheint die Zeit günstig für neue Formen von Immobilieninvestments. "Ein Vorteil von Crowd-Investments liegt in den geringen Mindestanlagesummen", sagt Thomas Pfister, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das gilt auch bei Schwarminvestments in Immobilien, wo sich Investoren je nach Projekt ab einer Mindestanlange von 100 bis 250 Euro beteiligen können.

Die Kosten sollen Anbietern zufolge deutlich niedriger sein als bei klassischen Immobilienfonds, bei denen nicht selten 20 Prozent und mehr für Verwaltung und vor allem den Vertrieb draufgehen. Einen Nachteil gegenüber klassischen offenen Immobilienfonds sollten Anleger bei Crowd-Investments in Immobilien ebenfalls im Blick haben: "Solche Investments streuen das Vermögen nicht, Anleger sollten deshalb immer den möglichen Totalverlust einkalkulieren", sagt Pfister.

Und sie sollten genau hinschauen, in welcher Form sie tatsächlich in Immobilien investieren. In der Regel wird kein Immobilien-Crowd-Investor tatsächlich Eigentümer.

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