Sonntag, 25. September 2016

Immobilien Deutschland im Metropolenfieber

Sie bieten Jobs, Kultur und Lebensqualität - die Deutschen zieht es in die Städte. In Ballungsräumen gehen die Preise durch die Decke. manager magazin online hat sieben Top-Standorte analysiert und zeigt, wo sich der Kauf noch lohnt.

Berlin: Mekka für Makler und Investoren
Hamburg - In diesen Tagen kann man Thomas Hölzel durchaus um seinen Job beneiden. Seit 17 Jahren zieht der gelernte Marketing-Fachmann in Berlin Bauprojekte durch. An tausend Wohneinheiten für insgesamt 430 Millionen Euro hat der Chef des Bauträgers Artprojekt bis heute mitgewirkt. Hölzel legt Wert auf "ausgefallene Konzeption" und "hervorragende Architektur" in "besonderen Lagen", darunter Lofts in Kreuzberg, Townhouses am Prenzlauer Berg oder Luxuswohnungen nahe der Museumsinsel.

Doch noch nie war es für ihn leichter, Käufer zu finden. "In der Regel sind unsere Eigentumswohnungen verkauft, noch bevor der erste Bagger rollt", sagt Hölzel. Mit manchen müsse er gar nicht lange über die Finanzierung reden, sie legen das Geld quasi bar auf den Tisch. Die Apartments in Mitte, die er vor drei Jahren zum Preis von 6000 Euro pro Quadratmeter verkaufte, würden ihm heute für 8000 Euro aus den Händen gerissen. Viele der neuen Eigentümer leben laut Hölzel nicht einmal in der Hauptstadt. Sie nutzen das Penthouse eher als "Zweit- oder Drittwohnsitz, also für gelegentliche Ausflüge, um das Kulturangebot zu genießen", sagt der Bauexperte.

Berlin ist zum Mekka der Immobilienkäufer geworden. In keiner anderen Großstadt schießen Quadratmeterpreise und Mieten schneller in die Höhe als an der Spree. Nirgendwo sonst ist die Empörung über Mietwucher und Gentrifizierung größer. Die Bundeshauptstadt ist aber nur ein Beispiel von vielen, und das hat uns bewegt.

manager magazin online nimmt die Entwicklung deshalb zum Anlass, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ab sofort ein breites Angebot rund um das Thema Immobilien zu bieten, ein eigenes Portal. Recherchieren Sie, wie sich Preise deutschlandweit verändern, wo sich der Kauf lohnt. Aber auch, wo es jetzt noch billig ist - und finden Sie Ihre Traumimmobilie oder Wohnung. Willkommen im neuen Immobilien-Portal von manager magazin online. Der Boom in Berlin spiegelt sich dort auch wieder.

Ergebnis: Das Immobilienfieber hat Deutschland infiziert - aber nicht ganz Deutschland. "Das Neue an diesem Boom ist, dass er nur auf die Ballungsräume begrenzt ist", sagt Rainer Braun vom Immobilienberatungsunternehmen Empirica, das Studien für die Weltbank, die Europäische Kommission oder auch die Bundesregierung erstellt.

Historisch längste Boomphase

Dank der seit Monaten extrem billigen Kredite setzen immer mehr Menschen auf das Betongold. Immobilien im Wert von knapp 170 Milliarden Euro wechselten im vergangenen Jahr den Eigentümer. Das ist der höchste Wert seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007.

Die hohe Nachfrage trifft in den Großstädten auf ein begrenztes Angebot. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank sind die Quadratmeterpreise in Metropolen doppelt so schnell gestiegen wie in anderen Städten. Der Mieterbund fürchtet eine weitere Mietexplosion. Bereits im vergangenen Jahr hatten knapp 300.000 Menschen keine Wohnung. Das Thema "bezahlbarer Wohnraum" hat parteiübergreifend den Sprung auf die Wahlkampfagenden geschafft.

Die Aussicht auf steigende Mieteinnahmen hat den seit Jahren siechenden Neubau zuletzt wieder etwas angekurbelt, doch der Einfluss auf den Markt hält sich bislang in Grenzen. "Der Immobilienboom ist nicht vorbei", sagt Henrik Baumunk, Leiter der Wohnimmobilienbewertung beim internationalen Immobiliendienstleister CBRE. "Preise und Mieten in den Großstädten werden weiter steigen."

Das Zusammenspiel aus langfristigen Realzinsen von null Prozent und leicht steigenden Einkommen könnte Deutschland "die mit Abstand längste historische Boomphase" bescheren, so eine Studie der Deutschen Bank. Hinzu kommt das starke Bevölkerungswachstum in den Städten. Jobs, kurze Wege und ein vielfältiges Kulturangebot ziehen immer mehr Menschen an. "Deutschland erlebt eine Re-Urbanisierung", sagt Empirica-Experte Braun.

Sieben Metropolen im Check

Leichtes Spiel also für Immobilienkäufer? Mitnichten. "Gute Kaufmöglichkeiten in den Großstädten zu finden, wird immer schwieriger", sagt Lars Wittan, Finanzchef der Deutsche Wohnen, eine der größten börsennotierten Immobiliengesellschaften hierzulande. Schnäppchen gibt es nicht mehr. Weil die Preise bereits stark gestiegen sind, müssen sich Käufer mit niedrigen Mietrenditen - also dem Verhältnis aus Kaufpreis und Jahresmieteinnahmen - begnügen. Auf der Haben-Seite steht ein Plus an Sicherheit. "Wohnen müssen die Menschen auch in Krisenzeiten", sagt Wittan. "Deswegen sind Immobilien in Ballungsgebieten eine etwas langweilige, aber auch sehr risikoarme Investition."

Doch wie teuer sind die Metropolen? In welchen Vierteln sind Miet- und Kaufpreise am stärksten gestiegen? Lohnt sich der Einstieg noch? Zum Auftakt der großen Immobilien-Serie analysiert manager magazin online sieben Großstädte:

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