Donnerstag, 19. Juli 2018

Immobilienpreise Gefährliche Landlust

Landidyll: Lücke zwischen städtischer Sehnsucht und ländlicher Wirklichkeit

Das Eigenheim im Grünen kann für Häuslebauer schnell zum Verlustgeschäft werden: Da viele Dörfer in Deutschland vergreisen, verfallen die Immobilienpreise in vielen ländlichen Regionen. Der Landlust der Städter steht die Landflucht der Dorfbewohner entgegen.

Hamburg - Glückliche Hühner, grüne Wiesen, pittoreske Fachwerkhäuser und himmlische Ruhe: So sieht die Vorstellung vieler Großstädter aus, wenn sie an ein Leben auf dem Land denken. Boomende Hochglanzmagazine, die passende Wohnaccessoires für das stilvolle Landleben abbilden, tun ihr übriges, um die romantischen Vorstellungen vom Eigenheim "auf dem Dorf" zu beflügeln.

Mancher lärm- und stressgeplagte Städter hält den Erwerb eines Eigenheims in ländlichen Gegenden der Republik deshalb für erstrebenswert - und die Flucht aufs Land angesichts schwindelerregend hoher Mieten und Kaufpreise in vielen deutschen Metropolen für verlockend.

Wer sich für den Kauf oder Bau einer Immobilie auf dem Land entscheidet, geht allerdings ein großes Risiko ein - und muss unter Umständen erkennen, wie wenig das Hochglanz-Idyll und die Realität übereinstimmen. Immobilien auf dem Lande erleiden vielerorts massive Wertverluste, das Eigenheim-Investment kann sich als Verlustgeschäft entpuppen.

Denn Deutschlands Dörfer sterben, besonders im Osten ist die Lage stellenweise dramatisch. "Vernagelte Fenster, unbewohnte Häuser, menschenleere Straßen - das ist in einigen Regionen Deutschlands schon Realität", sagt Tobias Just, wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer der IREBS Immobilienakademie in Regensburg.

Landlust der Städter - und Landflucht der Dorfbewohner

Junge Dorfbewohner zieht es zunehmend in die Städte, weil dort Jobs und das pralle Leben warten. "Neue Arbeitsplätze entstehen heutzutage vor allem in Metropolregionen oder im ländlichen Umfeld von Großstädten, aber kaum in kleinen Dörfern", sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

In ländlichen Randgebieten dagegen gebe es kaum noch Arbeit. Das Stadtleben hielten vor allem junge Menschen außerdem für attraktiver, weiß Klingholz: "Da gibt es bessere Infrastruktur, längere Öffnungszeiten und mehr Angebote für Familien und Studenten." Die meisten jungen Menschen machen lieber morgens um vier Uhr Halt an der Pommesbude, bevor sie ins Bett gehen, als sich um dieselbe Uhrzeit vom krähenden Hahn wecken zu lassen.

Weil die Geburtenzahl deutschlandweit seit Jahren sinkt, bleiben nach dem Wegzug der jungen Dörfler oft nur die Alten zurück. "Je abgelegener eine Gemeinde ist, desto stärker übertrifft die Sterberate die Zahl der Geburten", sagt Klingholz. Zwischen 2003 und 2008 haben zwei Drittel aller ländlichen Gemeinden Deutschlands mehr als ein Prozent ihrer Bevölkerung eingebüßt, hat die Studie "Die Zukunft der Dörfer" des Berlin-Instituts ergeben. Im Osten war die Lage noch dramatischer: Dort verloren 64 Prozent der ländlichen Gemeinden im selben Zeitraum mehr als fünf Prozent ihrer Bevölkerung. "Und so wird es notgedrungen weitergehen", kommentiert Klingholz.

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