Montag, 19. November 2018

Wohnkonzern strebt in den Dax Deutsche Annington will Rivalen Gagfah schlucken

Lächelt demnächst auch für die Aktionäre des Rivalen Gagfah: Rolf Buch, der Vorstandsvorsitzende des Immobilienunternehmens Deutsche Annington, hier ein Foto vom 28.02.2014, aufgenommen vor Beginn der Jahrespressekonferenz im Maritim Hotel in Düsseldorf.

Die prominent besetzte Führung des Wohn-Konzerns Deutsche Annington holt zum großen Schlag aus: Der Kauf von Gagfah würde einen klaren Marktführer schaffen - und der Annington die Aussicht auf den Aufstieg in den Dax eröffnen.

In der deutschen Immobilienwirtschaft zeichnet sich die größte Übernahme der Geschichte ab. Marktführer Deutsche Annington will den Rivalen Gagfah kaufen. Dafür bietet die Annington-Spitze um Vorstandschef Rolf Buch und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Wulf Bernotat in einer kombinierten Bar- und Aktien-Offerte den Gagfah-Aktionären 18 Euro je Anteilsschein, derzeit liegt der Kurs bei 15,51 Euro. Bislang ist kein Aktienbesitz der Deutsche Annington Börsen-Chart zeigen an Gagfah Börsen-Chart zeigen, die als luxemburgische S.A. firmiert, gemeldet.

Noch im ersten Quartal 2015 soll die Transaktion abgeschlossen werden, wie die Deutsche Annington am frühen Montagmorgen mitteilte. Annington macht dazu allerdings zur Bedingung, mindestens 50 Prozent aller Aktien angedient zu bekommen.

Die Deutsche Annington wird mit der Gagfah-Übernahme voraussichtlich ihre Gremien um Mitglieder der Gagfah erweitern. In den Vorstand sollen der bisherige Gagfah-Chef Thomas Zinnöcker und dessen Finanzchef Gerald Klinck einziehen. Der Aufsichtsrat wird möglicherweise von neun auf zwölf Mitglieder erweitert. Unter anderem soll der bisherige Gagfah-Verwaltungsratspräsident Gerhard Zeiler dem künftigen Kontrollgremium angehören.

Gedankenspiele über einen Zusammenschluss der Nummer 1 und Nummer 3 auf dem deutschen Wohnungsmarkt gibt es bereits seit Monaten. Nun aber wollen die Annington-Anführer Buch und Bernotat ihre seit längerer Zeit gehegten Pläne zügig umsetzen. Nach Informationen von manager magazin online ist geplant, ein konkretes Kaufangebot bereits an diesem Montag, also dem 1. Dezember, zu verkünden.

Buch und Bernotat sind erfahrene Strategen: Vorstandschef Buch war vor seinem Wechsel zu Annington Anfang 2013 jahrelang Vorstand des Medienkonzerns Bertelsmann, Bernotat stand bis 2010 sieben Jahre lang dem Vorstand des Energieversorgers Eon vor.

Ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen würde den mit großem Abstand führenden Wohn-Konzern in Deutschland und einen der größten Europas entstehen lassen. Die Deutsche Annington führt mit einem Besitz von 184 000 Wohnungen schon jetzt das Branchenranking an, die Gagfah folgt mit 144 000 Wohnungen hinter Deutsche Wohnen auf Rang drei (siehe dazu auch Grafik von manager magazin online und Statista). Die seit September 2014 im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Deutsche Annington hätte dann auch gute Chancen, im kommenden Jahr in den Kreis der Dax-30-Unternehmen aufzusteigen.

Das Portfolio der Gagfah und der Deutschen Annington würde sich gut ergänzen. Beide Unternehmen sind bundesweit mit Mietwohnungen aktiv. Sie könnten bei einem Zusammenschluss voraussichtlich beträchtliche Synergieeffekte erzielen.

Der Übernahmeversuch wird voraussichtlich sehr stark über die finanzielle Logik entschieden werden, weil es auf keiner der Seiten einen strategisch interessierten Großaktionär gibt. Der Unternehmenswert der Deutschen Annington beträgt derzeit mehr als elf Milliarden Euro, der Börsenwert allein gut 7 Mrd. Euro. Guy Hands, der mit seinem Beteiligungsunternehmen Terra Firma Capital Partners den Konzern 2001 gegründet hatte, gab im vergangenen Jahr seine Anteile ab. Die Mehrheit der Papiere liegt seither in Händen von Kleinaktionären oder institutionellen Investoren.

Auch die Aktie der Gagfah mit Firmensitz Mülheim an der Ruhr befinden sich zu 100 Prozent im Streubesitz, der Börsenwert beträgt rund 3,3 Mrd. Euro. Das amerikanische Private-Equity-Haus Fortress, das 2004 die Gagfah von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte übernommen hatte, verkaufte seine restlichen Anteill in diesem Sommer. Seit dem Ausstieg von Fortress ist keine Private-Equity-Firma mehr an einem deutschen Immobilienkonzern beteiligt.

Der Zugriff der Deutschen Annington ist ein weiterer Beleg für die anziehende Konsolidierung der Branche. Bereits zu Beginn des Jahres hatte die Deutsche Wohnen den Konkurrenten GSW gekauft. Nach den Privatisierung vieler staatlicher Wohnungsunternehmen in den vergangenen Jahrzehnten ist der deutsche Wohnimmobilien-Markt immer noch stark fragmentiert.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH