Freitag, 26. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Immobilien in Detroit Kaufe 6000 Häuser - für 500 Dollar pro Haus

Pleite: In Detroit sind die Spuren der vergangenen Wirtschaftskrise noch deutlich zu sehen

Spätfolgen der US-Subprime-Krise: In Detroit werden zurzeit 6000 heruntergekommene Häuser auf einen Schlag versteigert. Das Mindestgebot von 3,2 Millionen Dollar sei noch zu hoch, sagen Beobachter. Ein Investor hebt dennoch den Finger.

Hamburg - Im US-Staat Michigan wirkt die 2007er Subprime-Krise, die später zur weltweiten Wirtschaftskrise wurde, noch sichtbar nach. Heruntergekommene Häuser zu Tausenden prägen vielerorts das Bild.

So auch im Wayne County, dem Regierungsbezirk rund um die ehemalige Autohauptstadt Detroit. Mehr als 50.000 Immobilien befinden sich dort laut "Businessweek" bereits in der Zwangvollstreckung. Im kommenden Jahr kommen der Zeitschrift zufolge vermutlich 75.000 hinzu. Schon jetzt stehen etwa 20.000 Immobilien vor der Versteigerung, heißt es.

Das Problem: Weil sich niemand der zum Großteil unbewohnten Häuser annimmt, greift der Verfall zusehends um sich. Immer mehr Häuser werden vernachlässigt oder gleich ganz verlassen. Es sei wie eine Krebserkrankung, zitiert die "Businessweek" einen Offiziellen. Wenn man das Problem nicht vollständig löse, komme es immer wieder zurück.

Deshalb hat der Bezirkskämmerer jetzt eine größere Lösung in Angriff genommen: Anstatt für einzelne Objekte neue Besitzer zu suchen, was sich in der Vergangenheit nicht bewährt hatte, hat er 6000 der übelsten Wohnimmobilien Detroits zur Versteigerung zusammengefasst. Mindestpreis: knapp 3,2 Millionen Dollar (2,5 Millionen Euro). Dafür bekommt man in Brooklyn nicht einmal ein Stadthaus, merkt die "Businessweek" süffisant an.

Keiner hatte mit einem Gebot gerechnet

3,2 Millionen Dollar für 6000 auf deutsch gesagt: Bruchbuden, das sind kaum mehr als 500 Dollar pro Objekt. Dem Bericht zufolge ist aber selbst das noch zu teuer, um aus dem möglichen Investment einen Profit zu schlagen. Die weitaus meisten Häuser seien abbruchfällig, was zusätzliche Kosten mit sich brächte, heißt es. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man damit Geld verdienen kann", so das Urteil von David Szymanski von der Finanzverwaltung des Countys.

Kein Wunder also, dass in Detroit eigentlich kaum jemand mit einem Gebot gerechnet hatte. "Die Idee war, dass niemand bietet", so Szymanski. Die Objekte wären dann in den Besitz der Stadt gefallen, die sich darum hätte kümmern können.

Doch Pustekuchen: Dem Bericht der "Businessweek" zufolge hat nun doch ein Interessent den Finger gehoben. Eine "nichtidentifizierte Partei" sei gewillt, die Kontrolle sowie die Verantwortung über die Immobilien zu übernehmen, schreibt die Zeitschrift.

Bekommt der Unbekannte den Zuschlag, so dürfte ihn das noch teurer zu stehen kommen, als die 3,2 Millionen Dollar, die er nun geboten hat. Laut "Businessweek" müssen 3000 der insgesamt 6000 Häuser abgerissen werden, und zwar nach den Regeln der Auktion innerhalb von sechs Monaten. 2000 weitere stehen leer, heißt es. Etwa 1000 Immobilien seien zumindest ein wenig werthaltig. Allein die Abrisskosten taxiert Experte Szymanski auf 24 Millionen Dollar.

Wer also nimmt diese absehbare Last auf sich? Detroit und der restliche Bezirk Wayne County rätselt noch, denn in der laufenden Versteigerung wird die Identität des Bieters nicht enthüllt. "Es könnte sein - und das ist reine Spekulation - dass die Leute, die hier bieten, von Natur aus altruistisch sind", sagte Szymanski von der Finanzverwaltung der "Businessweek".

Er glaube, er habe Vertreter der geheimnisvollen Gruppe bereits getroffen - genau weiß er es aber offenbar selber nicht.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH