Donnerstag, 17. August 2017

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Städtestudie mit interaktiver Deutschland-Karte Perspektiven deutscher Städte - welche Städte Chancen haben

München: Ein städtischer Gewinner - doch Gewinner gibt es auch auf dem Land

Welche Städte in Deutschland sind für die Zukunft gut gerüstet, wer muss sich verändern? Die interaktive Deutschland-Karte zeigt, wo es in Deutschland städtisches Potenzial gibt. (Hinweis: Evtl. längere Ladezeiten im Internet-Explorer).

Welche deutschen Städte haben eine gute Zukunftsperspektive? Welche Städte und Gemeinden in Deutschland müssen sich verändern, um im Wettbewerb um Arbeitsplätze, Neubürger und Lebensqualität nicht abgehängt zu werden? Antworten wie "Der Süden boomt, der Norden fällt zurück" oder "Flucht vom platten Land - auf in die Großstadt" greifen bei dieser Fragestellung zu kurz.

Um die sehr unterschiedliche Entwicklung deutscher Städte differenzierter aufzuzeigen, hat die Contor GmbH sämtliche Städte und Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern analysiert. Das sind aktuell 1554 deutsche Städte und Gemeinden, in denen rund 60 Millionen Menschen leben.

Interaktive Deutschland-Karte: Wählen Sie Ihre Stadt

Die "Zukunftsfähigkeit" der Städte und Kleinstädte wurde in der Städtestudie anhand von 34 Indikatoren analysiert. "Dazu gehören zum Beispiel Bildung, wirtschaftliche Struktur, demographische Faktoren, soziale Indikatoren sowie unternehmerische Bedingungen", erklärt Studienautor Henner Lüttich. Mit Hilfe einer "Clusteranalyse" hat Lüttich die 1554 Städte in sieben unterschiedliche Gruppen aufgeteilt: Im Cluster 1 "Städtische Probleme" finden sich zum Beispiel Städte mit hohen Gewerbesteuerhebesätzen, durchschnittlichen Löhnen, einer auf den Handel ausgerichteten Wirtschaftsstruktur und mit negativer Bevölkerungsentwicklung. Das Cluster 5 "Städtische Gewinner" zeichnet sich unter anderem durch eine positive Bevölkerungsentwicklung, mittlere Löhne und eine stark auf den Handel ausgerichtete Wirtschaftsstruktur aus.

Hinweis: Per Klick auf die Häkchen-Navigation können Sie einzelne Städte-Gruppen auswählen. Per Klick auf die Punkte erfahren Sie die Namen der Städte.

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"Es geht nicht darum, Gewinner und Verlierer gegenüberzustellen", betont Lüttich. Die aktuelle Momentaufnahme soll jeder Stadt Hilfestellung geben, die Weichen für die Zukunft zu stellen: "Die aktuellen Gewinner sollten sich nicht selbstzufrieden zurücklehnen, und die Städte und Regionen mit Problemen sollten untersuchen, wie sie durch eine Veränderung ihres Entwicklungsmodells einen Trend verändern können", sagt Lüttich.

Die Studie zeigt die starken Unterschiede in der Gesamtentwicklung der deutschen Städte auf. Diese werden sich bis 2040 voraussichtlich noch verstärken, so Lüttich. Die Ergebnisse im Einzelnen (siehe Karte):

- 169 Städte in Deutschland zählen zur Gruppe der bereits abgehängten Städte (dort leben rund 5 Prozent der Menschen im Analysegebiet (Cluster 7)

- 25 Prozent der Menschen leben in insgesamt 66 Städten mit akuten Problemen (Cluster 1)

- rund 25 Prozent der Menschen leben in 514 Kleinstädten mit absteigender Tendenz (Cluster 2)

- rund 7,5 Prozent leben in 201 Städten und Kleinstädten mit Perspektive (Cluster 3)

- rund 5 Prozent leben in 159 ländlichen Regionen oder Städten mit Perspektive (Cluster 4)

- rund 20 Prozent der Menschen leben in 56 Städten, die für die Zukunft gerüstet

scheinen (Cluster 5)

- rund 12,5 Prozent der Menschen leben in 389 ländlichen Kleinstädten, die für die Zukunft gut gerüstet scheinen (Cluster 6).

Die Verteilung zeigt damit auch: Sowohl bei den Städten wie auch bei Kleinstädten und ländlichen Regionen gibt es Gewinner und Verlierer. Zukunftsfähigkeit hat also nicht unbedingt etwas mit Größe einer Stadt oder ihrer Lage in Deutschland zu tun.

Die folgende grobe Charakteristik der einzelnen Cluster gibt einen Überblick, welche Probleme, aber auch Entwicklungschancen innerhalb dieser Gruppe häufig anzutreffen sind - und woran die betroffenen Städte und Gemeinden arbeiten müssen. "Dies ist nur eine allgemeine Beschreibung", betont Studienautor Lüttich. Einzelne Städte innerhalb des Clusters können zum Teil erheblich von dieser Charakteristik abweichen.

Cluster 1 - Städtische Probleme (zum Beispiel Kaiserslautern, Mülheim an der Ruhr)

Diese Städte haben Schwerpunkte in Handel und Dienstleistung, eine negative Bevölkerungsentwicklung und müssen mit schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen umgehen. Das Milieu ist städtisch geprägt, für Unternehmen gibt es höchstens durchschnittliche Bedingungen, die Bildungsindikatoren sind jedoch überwiegend positiv.

Cluster 2 - Kleinstädtische Absteiger (zum Beispiel Vlotho (Segeberg), Walsrode (Heidekreis))

Diese kleinstädtisch geprägten Regionen haben durchschnittliche wirtschaftliche Bedingungen und Bildungsindikatoren, leiden jedoch unter einer negativen demographischen Tendenz. Branchenschwerpunkte für Unternehmen sind nicht ausgeprägt.

Cluster 3: Stadt und Land mit Perspektive (zB Bad Bramstedt, Lorsch, Karolingerstadt)

Hier gibt es eine leicht positive Bevölkerungsentwicklung und gute soziale Bedingungen. Eine klare Trennung in städtisch oder ländlich/kleinstädtisch gibt es in diesen Regionen nicht, auch keine ausgeprägten Branchenschwerpunkte. Die Bedingungen für Unternehmen sind durchschnittliche, die Bildungsindikatoren leicht überdurchschnittlich. Verbesserungspotenzial besteht jedoch für Unternehmen.

Cluster 4 - Land mit Perspektive (zB Oranienburg/Oberhavel und Ludwigsfelde/Teltow)

Diese Gemeinden sind überwiegend ländlich strukturiert und orientieren sich stärker an Land- und Forstwirtschaft. Die Bevölkerungsentwicklung ist leicht positiv, die wirtschaftlichen Bedingungen nur leicht unterdurchschnittlich. Die Bedinungen für einzelne Unternehmen sind durchschnittlich.

Cluster 5 - Städtische Gewinner (Ludwigshafen, Hannover, Rosenheim, Bonn)

In diesen städtisch geprägten Regionen liegen die Schwerpunkte im verarbeitenden Gewerbe sowie in Handel und Dienstleistungen. Die demographische Tendenz ist positiv, ebenso wie die Bildungsindikatoren. Die Bedingungen für Unternehmen sind überdurchschnittlich, die allgemein wirtschaftlichen Bedingungen leicht überdurchschnittlich.

Cluster 6 - Kleinstädtische Gewinner (zB Winsen an der Luhe, Murrhardt)

Hier liegen die Schwerpunkte im verarbeitenden Gewerbe. Die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen sind gut, die Bevölkerungsentwicklung positiv. Die Situation für Unternehmen ist überdurchschnittlich positiv, Verbesserungspotential liegt jedoch bei den Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen.

Cluster 7 - Die Abgehängten (zB Glauchau/Kreis Zwicka, Apolda/Weimarer Land)

In diesen ländlichen und kleinstädtischen Gemeinden sind die demographischen Indikatoren äußerst negativ, viele junge Menschen ziehen Weg. Die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen sind schwierig, die Bedingungen für Unternehmen höchstens durchschnittlich. Für diese Gemeinden besteht der stärkste Handlungsbedarf, um die Situation in den kommenden Jahren zu verbessern.

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