Sonntag, 4. Dezember 2016

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Apple und der Aktiensplit Warum Börsen-Schwergewichte so gerne teilen

Teile und herrsche: Apple-Chef Cook teilt eine Aktie in sieben Aktien auf - und betreibt damit Kurs-Kosmetik

Der iPhone-Bauer Apple will seine Aktien per Split optisch günstiger machen. Das Spielchen ist bei Vorständen und Anlegern gleichermaßen beliebt. Doch Vorsicht: Für deutsche Anleger kann der Split zur Steuerfalle werden.

Hamburg - Dem iPhone-Hersteller Apple steht an der Börse ein dramatischer Kursrutsch bevor. Anfang Juni, so viel steht schon fest, wird die Aktie schlagartig um etwa 85 Prozent abstürzen. Das wissen Anleger seit dieser Woche.

Denn am Donnerstag kündigte Apple Börsen-Chart zeigen einen Aktiensplit an. Bei dem Kurseinbruch handelt es sich daher zunächst mal nur um einen optischen Effekt: Apple splittet seine Aktien im Verhältnis 1 zu 7. Das heißt, Anleger, die bislang ein Apple-Papier besitzen, haben stattdessen ab Juni sieben Stück im Depot. Gleichzeitig sinkt der Wert jeder einzelnen Aktie, so dass der Gesamtwert der Beteiligung gleich bleiben sollte. Auch die pro Aktie gezahlte Dividende wird entsprechend angepasst.

In den Chefetagen börsennotierter Aktiengesellschaften erfreut sich dieser Kunstgriff derzeit wieder großer Beliebtheit. Vor allem Firmen, deren Kurse einen langen Anstieg hinter sich haben, greifen gerne zu der Maßnahme. Erst vor wenigen Wochen teilte beispielsweise der Internetriese Google Börsen-Chart zeigen seine Anteilsscheine im Verhältnis 1 zu 2. Hierzulande haben zudem unter anderem die Dax-Konzerne Merck Börsen-Chart zeigen und Fresenius Börsen-Chart zeigen sowie der Chemiehändler Brenntag Börsen-Chart zeigen entsprechende Pläne publik gemacht.

Das Kalkül der Manager liegt auf der Hand: Am eigentlichen Wert ihres Unternehmens sowie an dessen Bewertung durch die Börse ändert sich zwar zunächst rein gar nichts. Wer nach dem Split auf den Aktienkurs schaut, kann aber den Eindruck bekommen, das Investment wäre plötzlich günstiger - und wird dadurch möglicherweise zum Kauf gereizt. Dahinter steckt reine Psychologie: Mancher Anleger zögert, eine Aktie für 1000 Euro zu kaufen - und nimmt leichteren Herzens zwei Aktien für je 500 Euro ins Depot.

Erfolgreiche Kurskosmetik - bloß nicht über 1000 Dollar

Die Papiere von Merck oder Fresenius etwa zählen gegenwärtig zu den wenigen Dax-Werten, die im dreistelligen Euro-Bereich notieren - was in den Vorstandsetagen beider Konzerne offenbar nicht gut ankommt.

Oder Google: Ende Februar erreichte die Aktie ein Rekordhoch bei mehr als 1200 Dollar. Seit dem Split Anfang April notiert sie zwischen 500 und 600 Dollar und erscheint damit optisch günstiger - obwohl sich an der ambitionierten Gesamtbewertung des Konzerns nichts geändert hat.

Apple jedenfalls will noch weiter runter. Etwa 525 Dollar müssen Investoren gegenwärtig für die iAktie berappen - nach der Teilung der Papiere im Juni wäre das gleichbedeutend mit nicht mehr als 75 Dollar je Stück. Damit erscheint das Papier auch für Anleger attraktiver, die zum Beispiel in Form eines Sparplans monatlich kleinere Summen investieren: Sie erhalten dann mehr Anteile - die zugleich weniger wert sind.

Kurzfristige Outperformance

So sieht erfolgreiche Kurskosmetik aus. Das Bemerkenswerte daran ist jedoch weniger das Kalkül der Manager, Anleger auf diese Weise zur Beteiligung zu bewegen, sondern die Tatsache, dass ihnen das vielfach tatsächlich gelingt.

Wissenschaftler haben schon zahlreiche Studien zum Kurseffekt von Aktiensplits erstellt. Die meisten kommen zu einem klaren Ergebnis: Die Papiere, die geteilt werden, erzielen gegenüber dem Rest des Marktes zumindest kurzfristig eine messbare Outperformance. Weil die Reaktion des Aktienkurses in der Regel unmittelbar nach der Ankündigung des Splits erfolgt, und weniger nach dessen Durchführung, sprechen die Forscher dabei vom "Ankündigungseffekt" auf den Aktienkurs.

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