Freitag, 2. Dezember 2016

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Immobilienfonds Wie der Fiskus geschädigte Anleger schröpft

Skyline von Singapur: Offene Immobilienfonds haben rund um den Globus Immobilien gekauft - und müssen sie nun zum Teil wieder verkaufen

Erst verlieren Anleger Geld, dann schlägt auch noch der Fiskus zu: Können offene Immobilienfonds, die abgewickelt werden, ihre Objekte nicht binnen drei Jahren verkaufen, kassieren die Finanzbehörden Grunderwerbsteuer zu Lasten der Anteilseigner. Anlegerschützer fordern eine Gesetzesänderung.

Hinter den Anlegern des Degi Europa liegen harte Zeiten, als der offene Immobilienfonds Ende September 2013 von der Kapitalanlagegesellschaft Aberdeen an die Commerzbank Börsen-Chart zeigen übertragen werden muss. Seit drei Jahren wird das einst 1,7 Milliarden Euro schwere Investmentvehikel abgewickelt. Der Wert der Anteilsscheine ist seither um mehr als 30 Prozent eingebrochen, weil Immobilien massiv abgewertet wurden.

Dennoch ist es den Managern nicht gelungen, alle Objekte loszuschlagen. Nach dem Investmentgesetz muss der Fonds deshalb auf die Coba als Depotbank übergehen - zur Freude der Finanzbehörden: Denn bei der Übertragung der Verwaltungsrechte wird Grunderwerbsteuer fällig.

Immerhin acht Millionen Euro, so teilt Aberdeen den privaten Investoren mit, wurden in dem auf nur noch 387 Millionen Euro zusammengeschmolzenen Fonds dafür zurückgestellt.

Für die Anleger ist es eine böse Überraschung: "Ich habe viel Geld verloren und der Fiskus hält sich auch noch an mir gütlich", schimpft ein betroffener Sparer.

Mit ihrer Wut sind die Anteilseigner des Degi Europa nicht allein. Auch bei der ebenfalls im vergangenen Jahr erfolgten Übertragung des einst 1,5 Milliarden Euro schweren P2 Value von Morgan Stanley an die Depotbank konnten die Finanzbehörden Millionen Euro an Grunderwerbsteuer kassieren.

Bei drei weiteren Fonds mit einem Vermögen von zusammen noch 2,8 Milliarden Euro droht den ohnehin bereits von Verlusten gebeutelten Anlegern dieses Los in den kommenden Monaten: Beim Degi Global Business droht die Übertragung an die Depotbank Ende Juni, beim Axa Immoselect und beim Degi International im Oktober - samt Grundsteuerzahlungen von insgesamt mehr als 100 Millionen Euro.

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