Sonntag, 26. Juni 2016

Internetriese Webportal Unister vor der Aufspaltung

Ab dafür: Unister leistet sich für seine Urlaubsmarken wie "fluege.de" neben Michael Ballack auch den Fußballmanager Rainer Calmund als Werbeträger

Binnen zehn Jahren wurde aus dem Leipziger Startup Unister eine Internetriese mit Portalen wie fluege.de, geld.de oder ab-in-den-urlaub.de. Nun aber steckt die einstige Vorzeigefirma in Schwierigkeiten - und soll nach Informationen von manager magazin online aufgespalten werden.

Leipzig - Das deutsche Internet-Imperium Unister steht vor der Aufspaltung. Nach Informationen von manager magazin online wurde eine Investmentbank bereits im vergangenen Jahr mit der Steuerung dieses Prozesses mandatiert. Zudem ist die Beraterfirma KPMG dabei, das Zahlengeflecht der Firma zu durchforsten.

Wie weit die Pläne fortgeschritten sind, zeigen zwei in den vergangenen Tagen veröffentlichte Stellenanzeigen. Darin werden zwei "Geschäftsführer/CEO" für die "neu zu gründenden Gesellschaften" Unister Comparison und Unister Ventures gesucht. In einer der beiden Anzeigen heißt es ganz unumwunden, zu den Aufgaben des neuen Chefs gehöre "die Vorbereitung und Durchführung von Finanzierungsrunden". Die Bewerber müssten daher "Erfahrung im Umgang mit Investoren (Investment Banking oder Private Equity)" mitbringen.

"Das zeigt, dass Unister neue Gesellschafter sucht, um Liquidität zu erhalten", sagte ein Insider. Auf die Frage, ob Unister neue Eigenkapitalinvestoren suche, antwortete ein Firmensprecher: "Als wachstumsorientiertes Unternehmen kommen seit Jahren von Zeit zu Zeit an Partnerschaften Interessierte auf uns zu. Selbstverständlich nimmt Unister diese Gesprächsfäden auf."

Hinweise, nach denen die Aufspaltung auf Druck der kreditgebenden Banken erfolgt, wurden von Unister dementiert. Seit dem vorigen Herbst sei der Konzern "so finanziert, dass er unabhängig von Banken agieren kann. Das Unternehmen ist derzeit abschließend dabei, für sich eine dem neuen Unternehmensaufbau entsprechende neue Geschäftsbankenstruktur aufzusetzen." Von einer Zerlegung des Unternehmens könne keine Rede sein. Es gehe um eine neue Struktur.

Das einstige Vorzeige-Startup war 2002 vom Leipziger Studenten Thomas Wagner gegründet worden, der noch heute der größte Gesellschafter ist. In den Jahren darauf entstand in Sachsen das - abgesehen vom Firmenreich der Samwer-Bruder - größte deutsche Online-Imperium. Heute gehören zu Unister rund 60 nationale und internationale Websites. Umsatztreiber sind die Vermittlung von Flügen und Pauschalreisen. Nach Firmenangaben nutzen jeden Monat rund zehn Millionen Menschen die Unister-Angebote.

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