Samstag, 27. August 2016

Inflationsangst Jeder fünfte Deutsche hält Sparen für sinnlos

Altbauten am Rheinufer: Nur 40 Prozent der Haushalte können sich echte Sachwerte wie zum Beispiel Immobilien leisten

Jeder fünfte Deutsche hält Sparen derzeit für sinnlos, so das Ergebnis einer Studie. Niedrigzins und Geldschwemme sorgen dafür, dass immer mehr Anleger die Flucht in Sachwerte planen. Doch für viele sind klassische Sachwertanlagen wie Immobilien schlicht unerschwinglich.

Hamburg - Eigentlich ist Deutschland ein Land der Sparer. Eigentlich. So pendelt die Sparquote, also der Anteil des verfügbaren Einkommens, das zurückgelegt wird, historisch zwischen 9 und 13 Prozent. Damit stehen die Deutschen unter den entwickelten Ländern gut da: In den USA lag die Sparquote zum Beispiel zuletzt bei nur einem Prozent.

Doch nun wächst die Skepsis gegenüber dem Sparen, belegt eine aktuelle Studie und Buch der Sparda-Bank Hamburg und des Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule. Eine Entwicklung mit gravierenden Folgen.

Gut 20 Prozent der Deutschen halten Sparen derzeit für sinnlos, so ein Ergebnis der Studie. Investieren diese Menschen kein Geld in Anleihen, Aktien oder Gold, bauen sie auch kein privates Vermögen auf, sei es zur Erfüllung von Wünschen oder zur privaten Altersvorsorge. "Beunruhigend", nennt diesen Befund Heinz Wings, der Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank Hamburg.

Vor allem die Angst vor einem Anstieg der Inflation führt zu diesem Phänomen. Wenn also eine Geldanlage noch das Interesse der Deutschen weckt, so sind es Sachwerte. Denn die bieten einen Substanzwert, den eine steigende Geldentwertung nicht ohne weiteres reduzieren kann.

Goldmünzen sind dafür ein Beispiel oder auch Immobilien. Immerhin jeder Dritte denkt im Rahmen des aktuellen Umfelds über Sachwerte nach. Und sogar jeder Zweite würde auch, um sich vor Inflation zu schützen, in Sachwerte investieren, so die Studie.

Nur wer viel Geld hat, kann sich vor Inflation schützen

Indes legen die Deutschen den Begriff der Sachwerte offenbar sehr großzügig aus - denn auch Autos oder Elektrogeräte gehören für sie dazu. Doch anders als zum Beispiel Immobilien fehlt Autos oder Elektrogeräten eine wertstabile Substanz.

Autokäufer kennen diesen Effekt - nach gut drei Jahren ist ein ehemals neues Fahrzeug nur noch die Hälfte wert. Entsprechend sind sie keinen echten Sachwerte. "Dass die Deutschen spitz formuliert eher in eine Kühlschrank investieren, als tatsächlich Geld auf die hohe Kante zu legen, zeugt tatsächlich von tiefen Inflationsängsten", so Wings.

Und nicht nur davon. Denn Sachwerte, zeigt die Studie, werden eher von Menschen mit hohem Einkommen und Anlagevermögen gekauft. Das beste Beispiel dafür sind Immobilien. Über 40 Prozent der Studienteilnehmer sind bereits Eigentümer einer Immobilie, 23 Prozent würden zugreifen, 25 Prozent bei Gold. Und sind offenbar glücklich damit. Denn 60 Prozent derer, die so einen Sachwert gekauft haben, sind mit ihrer Entscheidung zufrieden.

Nur wenige können sich Immobilien leisten

Das Problem - Menschen mit geringem Einkommen und Anlagevermögen können sich Immobilien, einen klassischen Sachwert, in aller Regel nicht leisten. In Zahlen: Nur 40 Prozent der Haushalte können sich echte Sachwerte wie zum Beispiel Immobilien leisten, so die Studie. Wessen Vermögen unter 25.000 Euro liegt, steckt sein Geld eher in Autos und Möbel.

Freilich gäbe es auch für diese Anleger eine Alternative, Gold also, aber vor allem Aktien. Doch da schlägt die deutsche Aktienaversion zu - nur ein knappes Viertel der Befragten sieht in Aktien einen Sachwert. Da hilft es nicht gerade, dass die meisten Kunden von ihrem Bankberater laut Studie gar nicht darauf angesprochen werden. Nur bei jedem Vierten war das der Fall. Viel Arbeit und ein erhebliches Umdenken liegt also vor den Banken - und auch vor den Anlegern.

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