Mittwoch, 18. Oktober 2017

Lange Niedrigzinsphase Bundesbank warnt vor Immobilienblase in Deutschland

Frankfurt am Main

"Die Ampel steht auf Gelb": Deutschland droht der Bundesbank zufolge eine gefährliche Immobilienblase. Banken gingen zunehmend riskante Geschäfte ein - und die Preise steigen rasant.

Deutschland droht eine Überhitzung am Immobilienmarkt. Im Moment gebe es zwar keine die Finanzstabilität gefährdende Blase, sagte Bundesbankvorstand Andreas Dombret auf einer Veranstaltung in Frankfurt laut Redetext. "Aber die Ampel steht eindeutig auf Gelb: Das gilt insbesondere für die Preisentwicklung."

Zudem deuteten Indikatoren bei Kreditvolumen und Vergabestandards auf eine erhöhte Risikonahme der Geldhäuser hin. Als Bankenaufseher mache er sich ernste Sorgen. Dombret ist im Bundesbankvorstand für die Bankenaufsicht zuständig.

Beim Blick auf die Entwicklung der Immobilienpreise in den Städten würden zunehmend die Alarmglocken läuten, sagte Dombret. Insbesondere in Großstädten seien zu einem guten Teil Übertreibungen zu erkennen. "In den 127 Städten des Indikators der Bundesbank sind die Preise seit 2010 um fast 50 Prozent gestiegen; in den sieben Großstädten waren es gar mehr als 60 Prozent", warnte der Notenbanker.

Dombret zufolge gehen Banken wegen der lang anhaltenden Minizinsen zunehmend Risiken ein. Außerdem gebe es mehr Wettbewerb um ertragreiche Geschäfte. "Ein boomender Immobilienmarkt kann da gerade recht kommen. Und dies kann gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen", sagte Dombret.

Finanzinstitute seien gut beraten, weiterhin hohe Standards bei der Kreditvergabe anzulegen und spekulative Preisentwicklungen nicht mitzutragen. "Vor allem die Mischung aus boomendem Immobilienmarkt und Niedrigzinsumfeld kann zu einem gefährlichen Cocktail für den Banken- und Sparkassensektor werden", sagte Dombret.

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