Freitag, 22. Februar 2019

Studie Die beliebtesten Managementmethoden

Auf welche Konzepte und Instrumente setzen Führungskräfte in der Krise? Wann rechnen sie mit einem Aufschwung? Eine internationale Studie zeigt, wie Manager derzeit arbeiten und was sie für die kommenden Jahre erwarten.

Dieter Zetsche hat ein Problem: Weil die Kunden dramatisch weniger Autos und Lkw kaufen, schreibt der Konzern im ersten Quartal dieses Jahres rote Zahlen. Der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Daimler AG muss nun kräftig Kosten senken. Dafür will er die Ausgaben für Verwaltung und Personal verringern; zusätzlich stoppt er die Investitionen in einige neue Fahrzeugprojekte oder streckt sie zeitlich. Doch das ist riskant, denn von neuen innovativen Produkten hängt der langfristige Erfolg von Daimler ab. Zetsche gefährdet so möglicherweise das von ihm selbst vor Kurzem auf der Hauptversammlung des Konzerns verkündete Ziel: "Wir wollen trotz schwacher Märkte ein starkes Unternehmen bleiben."

Zahlreiche Topmanager müssen derzeit ähnlich wie Zetsche Krisenabwehr betreiben. Dabei dürfen sie aber nicht ihre Wettbewerbsposition aufs Spiel setzen - besser noch sollten sie sich einen Vorsprung gegenüber ihren Konkurrenten verschaffen. Auf welche Managementmethoden Führungskräfte bei diesem Spagat zwischen kurzfristigem Agieren und langfristigem Handeln aktuell setzen, hat Darrell Rigby, Partner im Bostoner Büro der Unternehmensberatung Bain & Company, zusammen mit seiner Koautorin Barbara Bilodeau untersucht. Er befragt seit 1993 regelmäßig Manager auf der ganzen Welt. In diesem Jahr haben ihm 1430 Führungskräfte aus Nord- und Südamerika, Europa, Afrika und Asien geantwortet. Sie geben an, welche Werkzeuge sie derzeit bevorzugen und wie sie die aktuelle Lage einschätzen. Die Studienteilnehmer arbeiten etwa zur Hälfte in Unternehmen mit mehr als zwei Milliarden US-Dollar Umsatz und stammen aus unterschiedlichsten Branchen, mit einem Schwerpunkt in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Informations- und Kommunikationstechnik sowie produzierendem Gewerbe (etwa Autohersteller oder Maschinen- und Anlagenbauer).

Skepsis gegenüber dem Marktumfeld

Die Antworten der Führungskräfte lassen einige Verunsicherung und deutlichen Pessimismus für die kommenden Monate erkennen. 70 Prozent der im Rahmen der Studie Befragten sind sehr besorgt, ob sie ihre Wachstumsziele 2009 erreichen werden - wobei die Europäer unter den Teilnehmern der Studie hier immer noch etwas optimistischer sind. 64 Prozent der Manager planen mit einem Abschwung, der mindestens bis Anfang 2010 dauern wird; 36 Prozent haben in diesem Jahr vor, Mitarbeiter in größerem Umfang zu entlassen. Das betrifft vor allem die großen Unternehmen: Hier beabsichtigen immerhin 41 Prozent einen erheblichen Stellenabbau. Kleinere Unternehmen erweisen sich als etwas krisenfester, nur 31 Prozent der befragten Führungskräfte aus diesen Firmen wollen ähnlich umfangreich den Personalumfang reduzieren.

Auch langfristig rechnen die Manager mit erheblichen Veränderungen. Für viele ist klar: Die Welt wird nach der Krise eine andere sein als zuvor. 71 Prozent der Befragten erwarten, dass die Regierungen in den kommenden fünf Jahren stärker regulierend in die Wirtschaft eingreifen werden. Ebenfalls 71 Prozent gehen davon aus, dass der derzeitige Abschwung das Verhalten der Konsumenten in ihren Märkten während der nächsten drei Jahre verändern wird. Das alles wird den Wettbewerb kräftig durchschütteln: Nur ein Viertel der Führungskräfte glaubt, dass die heutigen Marktführer auch noch in fünf Jahren ihre Vorreiterschaft verteidigen können. Doch scheint dies immer nur die anderen, nie das eigene Unternehmen zu betreffen. Denn 75 Prozent der Interviewten rechnen damit, die Wettbewerbsposition ihrer Firmen in der Rezession sogar verbessern zu können. Diese Hoffnung wird sich wahrscheinlich nicht erfüllen - während der Krise werden kaum drei Viertel aller Unternehmen gleichzeitig ihre Marktanteile erhöhen können.

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© Harvard Businessmanager 6/2009
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