Freitag, 16. November 2018

Führung Frauen können alles - außer Karriere

6. Teil: Keine gute Aufstiegskompetenz

Der Begriff "Work-Life-Balance" allerdings ist in meinen Augen irreführend, da er eine Balance suggeriert, die bei der Ausübung einer höher qualifizierten Tätigkeit oder Führungsrolle unwahrscheinlich und auch gar nicht erforderlich ist. Die Integration und Verzahnung der Lebensbereiche genügt völlig. Das Vorbild dafür sind selbstständige Unternehmerinnen.

Literatur
Monika Henn: "Die Kunst des Aufstiegs: Was Frauen in Führungspositionen kennzeichnet."; Campus Verlag GmbH, September 2008, 218 Seiten, 24,90 Euro
Barbara Bierach: "Warum es kaum Frauen im Management gibt. Über das dämliche Geschlecht."; Piper Verlag GmbH, November 2007, 208 Seiten, 8,00 Euro

Auf die Bedeutung von Netzwerken für die Karriereentwicklung ist schon oft hingewiesen worden. Frauen haben es schwer, in die eingeschworenen Männerbünde hineinzukommen, und zeigen meist auch nicht so großes Interesse am Netzwerken. Wie die Insead-Professorin Herminia Ibarra 1992 bei einer Analyse der Kontaktbeziehungen in einer Werbeagentur herausfand, vernetzen sich Frauen oft nur mit hierarchisch gleich und niedriger gestellten Personen. Männer hingegen suchen häufiger den Kontakt zu hierarchisch höhergestellten und strategisch bedeutsamen Personen.

Grundsätzlich müssen sich Frauen zudem einem höheren Anspruchsniveau stellen - oder glauben zumindest, dass sie es müssten. Frauen sind oft überzeugt davon, dass sie mehr leisten müssen als ihre männlichen Kollegen, und beschneiden sich paradoxerweise dadurch ihre Aufstiegsmöglichkeiten. Denn sie wollen durch die Qualität ihrer Leistung überzeugen und unterschätzen Netzwerke und Selbstmarketing. Dies bezeichne ich als das "Fleißige Liese und kluger Hans"-Phänomen: Die Frauen arbeiten fleißig vor sich hin, während die Männer sich - mit firmenpolitisch klugem Verhalten - um ihre Karriere kümmern.

Oft hört man auch, den Frauen fehle der Ehrgeiz. Wenn eine Frau jedoch Karriere macht, so wird ihr nicht unbedingt Ehre zuteil. Eher handelt sie sich viele Nachteile ein: Neid, Missgunst und persönliche Anfeindungen bis hin zu eingeschränkten Möglichkeiten bei der privaten Partnerwahl.

Da Frauen meist nicht über eine gute Aufstiegskompetenz beziehungsweise -effizienz verfügen, muss es Aufgabe der Unternehmen sein, sie mithilfe von Coaching, Mentoring und Führungskräfteentwicklungs-Programmen so zu fördern, dass ihre Führungskompetenz der Firma zugute kommt.

© Harvard Businessmanager 3/2009
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