Sonntag, 20. Januar 2019

Coaching Wie Manager entspannen lernen

Stressbewältigung mit den gängigen Methoden stößt schnell an ihre Grenzen - vor allem weil Manager wenig Einfluss auf Stressfaktoren haben. Gezieltes Training hilft, die erhöhte innere Grundspannung zu senken.

Lisa Bender (Name geändert), Prokuristin bei einer Schweizer Rückversicherung hat ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen. Vor 22 Uhr kommt sie selten nach Hause. Die Wochenenden dienen dazu, liegen gebliebene Arbeit der Woche aufzuarbeiten. Sonntags bereitet sie das Meeting am Montagmorgen vor. Sie ist zur Benutzung eines Blackberrys angehalten. Dadurch ist Stress zu ihrem Begleiter rund um die Uhr geworden. Der Strom an E-Mails reißt zu keiner Tageszeit ab, da der Versicherer weltweit tätig ist. Obwohl die ehrgeizige Mittvierzigerin schon etliche Zeitmanagementseminare besucht hat, steht sie permanent unter Strom.

 Maja Storch ist promovierte Diplompsychologin und Psychoanalytikerin. Sie arbeitet als Projektleiterin an der Universität Zürich. Sie leitet dort einen Spin-off, das Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich (ISMZ)
Bernhard Huber
Maja Storch ist promovierte Diplompsychologin und Psychoanalytikerin. Sie arbeitet als Projektleiterin an der Universität Zürich. Sie leitet dort einen Spin-off, das Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich (ISMZ)
Vor Kurzem besuchte sie einen Workshop zum Thema Work-Life-Balance. Seitdem geht es ihr noch schlechter. Zur Arbeitsbelastung in der Firma kommt das schlechte Gewissen, keine Zeit für Fitness, gesundes Essen oder die Pflege von Freundschaften zu erübrigen. Seit einigen Monaten schläft Bender nicht mehr durch. Sie wacht nach einem kurzen unruhigen Schlummer auf und findet kein Rezept, die Gedanken an die Arbeit zu stoppen, die in ihrem Kopf kreisen.

Wir haben Dutzende solcher Fälle in den Selbstmanagement-Seminaren an unserem Institut kennengelernt. Viele haben das Gefühl, diese Belastung nicht lange durchhalten zu können. In der Tat sind die Folgen von chronischem Stress vielfältig und gravierend: Er kann Veränderungen des Immunsystems hervorrufen. Dadurch steigt unter anderem das Risiko von entzündlichen Erkrankungen (wie Asthma, rheumatische Gelenkerkrankungen oder Prostatitis).

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Harvard Business Manager 08/2007

Harvard Business Manager 08/2007

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Darüber hinaus beeinflusst chronischer Stress den Insulin-Haushalt, was Diabetes und die damit zusammenhängenden Folgeerkrankungen (Arteriosklerose, hoher Blutdruck) auslösen kann. Es wurde sogar nachgewiesen, dass chronischer Stress bestimmte Regionen im Gehirn beeinträchtigen kann, die für das Langzeitlernen verantwortlich sind.

Eine ganze Reihe von objektiven Faktoren kann beim Menschen im Berufsalltag Stress auslösen. Dazu zählen hohe Arbeitsbelastung, psychischer Druck durch Vorgesetzte, ungünstige Rahmenbedingungen wie ständiges Reisen in verschiedenen Zeitzonen oder Schlafmangel. Die meisten Coaching-Programme setzen an diesen objektiven Belastungen an. Sie helfen den Betroffenen, ihre Arbeitssituation zu verändern, das Aufgabenspektrum zu reduzieren, Unterstützung anzufordern oder Arbeitsvorgänge zu optimieren.

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