Von Monika Henn
Warum Männer schneller weg sind
Dass die Rekrutierung geeigneter Führungskräfte in Zeiten des demografischen Wandels zunehmend schwieriger wird, ist bekannt. Ein bemerkenswertes Phänomen dabei: Die Gruppe der Männer wird derzeit überausgeschöpft; Unternehmen rekrutieren also männliche Bewerber mit geringeren Fähigkeiten. Die Gruppe der Frauen dagegen wird unterausgeschöpft; ihre Qualifikationen bleiben zum Teil ungenutzt. Als Begründung muss oft das Argument herhalten, dass Bewerberinnen bald schwanger werden und dadurch - zumindest vorübergehend - aus dem Unternehmen ausscheiden könnten. Das Argument ist offensichtlich vorgeschoben: Viele gut ausgebildete Frauen bekommen heutzutage erst sehr spät Kinder - oder gleich gar keine mehr: Rund 30 Prozent der Akademikerinnen bleiben kinderlos, aber nur rund 25 Prozent der männlichen Akademiker.
"Es müssen 1003 Faktoren stimmen, damit eine Frau in eine Führungs- position kommt."
Manager müssen sich über die Situation der Frauen in ihrem Unternehmen informieren und deren Schwierigkeiten verstehen. Erst dann werden sie bereit sein, aktiv nach Führungspotenzialen bei ihren Mitarbeiterinnen zu suchen und diese gegebenenfalls zu fördern. Die Unterscheidung zwischen Führungskompetenz und Aufstiegskompetenz ist dabei ein ganz zentraler Aspekt, da beide Kompetenzen ganz unterschiedliche Fähigkeiten erfordern. Frauen verfügen häufig über Führungskompetenz und zeigen diese auch im privaten Bereich; in puncto Aufstiegskompetenz jedoch stehen sie hinter den Männern zurück.
Es wäre müßig, bestimmen zu wollen, welcher Faktor das größere Gewicht hat. Daher ist es sinnvoll, sowohl die Rahmenbedingungen zu verändern als auch bessere Fördermaßnahmen für Frauen anzubieten, damit die Zahl der Managerinnen in wichtigen Positionen ansteigt.
Wäre nicht manche Krise in der Wirtschaft vermeidbar gewesen, wenn zu diesem Zeitpunkt Frauen die Schlüsselpositionen besetzt hätten?