Von Christian Stein
Führen mit Zielen ist eine sehr verbreitete Managementtechnik. Als Urheber des Konzepts gilt Peter Drucker, der "Management by Objectives" 1954 als ein Prinzip beschrieben hat, das individueller Initiative und Verantwortung Spielraum lässt, den Anstrengungen eine gemeinsame Richtung gibt, Teamarbeit fördert und die Ziele des Einzelnen mit dem Unternehmenswohl harmonisiert.
In der Praxis entstehen jedoch unweigerlich Probleme, sobald die Vergütungen von Mitarbeitern und Führungskräften an individuelle Ziele gekoppelt werden. Mehr noch: Wir sollten uns am besten grundsätzlich von der Vorstellung verabschieden, formalisierte Zielesysteme seien eine fruchtbare Managementmethode.
Die Grundidee, Vergütung und individuelle Zielerreichung zu koppeln, klingt zunächst höchst plausibel: Wenn Manager auf Basis der Unternehmensziele individuelle Ziele für jeden Mitarbeiter ableiten und das Erreichen der Ziele monetär vergüten, wären die Mitarbeiter motiviert, im Sinne des Unternehmens zu handeln, und die Unternehmensziele würden gleichsam wie von selbst erreicht. Auch der Gerechtigkeit wäre gedient: Wer mehr leistet, verdient auch mehr.
Tatsächlich können Zielmanagementsysteme jedoch selbst bei bester Implementierung und Gestaltung keinen der erwarteten positiven Effekte garantieren, weil sie auf vier grundsätzlichen Irrtümern beruhen:
Irrtum 1: Zielmanagement kostet wenig und bringt viel
Damit ein Zielmanagementsystem funktionieren kann, müssen Verfahren zur Ableitung, Vergabe, Überwachung und Bewertung der Zielerreichung und Auszahlung entwickelt werden, die gewöhnlich durch Informationstechnik-Anwendungen unterstützt werden. Alle Prozesse müssen dokumentiert, kommuniziert und gesteuert werden. Darüber hinaus muss die gesamte Systematik samt Sonderfällen kollektivrechtlich abgesichert werden.
© Harvard Business Manager 12/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH