Von Britta Domke
In vorrangig US-amerikanisch geprägten Studien zur Vorhersagequalität für beruflichen Erfolg - so genannten Validitätsstudien - kommt das Assessment-Center nicht immer gut weg. Offenbar existiert eine große Bandbreite von prognosestarken AC bis hin zu Verfahren, die den Aufwand nicht lohnen. Darum widmeten die Experten vom Arbeitskreis AC zahlreiche Fragen in ihrer Studie der Verfahrensqualität.
Sind Assessment-Center in den vergangenen Jahren besser geworden? Die Antwort ist ein entschiedenes Jein. Ein paar erfreuliche Entwicklungen gibt es, aber auch Rückschritte. Das Positive zuerst: AC von der Stange, wie sie noch 2001 üblich waren, liegen nicht mehr im Trend. 63 Prozent der Unternehmen entwickeln ihre Assessments selbst (2001: 39); 34 Prozent passen von Dienstleistern angebotene Verfahren ihren Unternehmensbedürfnissen an.
Um eine möglichst hohe Qualität der selbst konzipierten AC sicherzustellen, holen sich die Anwender zunehmend die notwendige Expertise von außen ins Haus. Externe Berater stellen mittlerweile 46 Prozent der Beobachter im Assessment-Center (2001: 38 Prozent), hauseigene Führungskräfte halten sich im Vergleich dazu öfter zurück.
Auch bei der wissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Analyse haben AC-Anwender dazugelernt: Fast doppelt so viele Unternehmen (77 Prozent) wie noch zu Anfang des Jahrtausends evaluieren heute systematisch ihre Auswahlverfahren - vermutlich auch, um angesichts eines gestiegenen Kostendrucks die Ausgaben für ein AC rechtfertigen zu können. Allerdings beschränkt sich die Mehrzahl der Unternehmen darauf, die Zufriedenheit aller Beteiligten abzufragen. Gerade mal 22 Prozent machen sich die Mühe einer empirisch-statistischen Analyse - zu wenig nach Meinung von Obermann und Höft.
Zwar trainieren fast alle Unternehmen die Beobachter. Doch statt ausführlich über die komplexen Entscheidungsprozesse in einem AC zu informieren, streichen Personalabteilungen die Schulungen immer mehr zusammen: Dauerten 48 Prozent der Beobachtertrainings im Jahr 2001 maximal einen halben Tag, so sind es heute bereits 64 Prozent.
Fazit
Der Fachkräftemangel bringt eine neue Generation von Assessment-Centern hervor. Diese Auswahlverfahren richten sich nicht in erster Linie an Bewerber von außerhalb, sondern an vielversprechende Mitarbeiter im eigenen Unternehmen. Damit ist die Probezeit der AC im deutschsprachigen Raum endgültig vorbei. Für Arbeitgeber wird es nun darum gehen, sich von umstrittenen Verfahren zu verabschieden und ein professionelles, methodisch wasserdichtes und transparentes Assessment auf die Beine zu stellen. Die angstvollen Gerüchte über Assessment-Center werden dann - hoffentlich - endlich verstummen.