2: Bei welchem Reifegrad trinke ich Lagerweine?
Allenfalls noch etwa 8 Prozent des weltweiten Rotweinangebots eignet sich für die Reifelagerung. Und davon hat gut die Hälfte nach fünf bis acht Jahren die beste Zeit hinter sich. Bei den Weißweinen sind es 2 bis 3 Prozent, die über längere Zeit lagern können - meistens ohne sich dabei wesentlich zu verbessern. Alle andern haben eine Lebensdauer von wenigen Jahren - sie sind gemacht, um bald getrunken zu werden.
Lagerweine durchlaufen in ihrer Entwicklung vier Phasen: 1. In der Fruchtphase dominieren primäre Aromen, die Traubensorte sowie Vanille-, Toast- und Karamellnoten vom Barrique. Je mehr Alkohol, desto mehr Fruchtbukett, je mehr Tannine, desto weniger. Violette Farbtöne dominieren das Rot.
2. In der Reduktionsphase prägen die Gerbstoffe den Wein. Je stärker die Tannine, desto ruppiger und unharmonischer wirkt er. Man lässt ihn am besten schlafen.
3. In der Genussphase zeigt sich die Qualität von Reben, Terroir, Klima und Handwerk in Weinberg und Keller. Sekundär- und Tertiär-Aromen halten sich auf dem Höhepunkt der Reife die Waage mit den besten Eindrücken aus der Fruchtphase.
4. In der Oxidationsphase verspricht ein Wein in der Nase viel, kann aber am Gaumen nur wenig halten, es dominieren säuerlich- bittere Aromen. Allerdings haben sich die Lebenskurven einstiger Lagerweine in den letzten Jahren gründlich verändert, das verlangt umso größere Kennerschaft oder die regelmäßige Konsultation von Degustationsnotizen älterer Jahrgänge.