Montag, 26. September 2016

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Allianz-Angebot für Fans "Diese Police gehört nicht ins Stadion"

Bayern-Fans: Hoffentlich Allianz versichert?
picture alliance / dpa
Bayern-Fans: Hoffentlich Allianz versichert?

Die Allianz, Sponsor und Aktionär des FC Bayern, entdeckt die Fußball-Fans. Sie hat eine Spezialpolice für das Spektakel rund ums Stadion aufgelegt. Das Modell könnte für andere Clubs und Events Vorbild sein. Kritiker haben Zweifel.

Hamburg - Wenn Götze und Co. heute Abend gegen die Wolfsburger in der Allianz-Arena anstoßen, ist die Punktejagd in der ersten Fußball-Bundesliga wieder eröffnet - und Europas größter Versicherer jagt mit. Der Sponsor und Großaktionär des auch international erfolgreichsten Clubs im vergangenen Jahr hat aber eher die Fans im Blick.

Pünktlich zum Saisonstart bietet die Allianz eine neue Police rund um den Stadionbesuch in München an: Für zwei Euro je Heimspiel kann sich jeder Fan online gegen die Unbilden so eines Fußballspiels absichern. Wem da zuerst peinliche Heimniederlagen der Bayern in den Sinn kommen, sieht sich getäuscht. Die Allianz sieht andere Gefahren: Der Fan verpasst wegen eines Verkehrsstaus den Anpfiff, er stolpert in der Eile auf der Stadiontreppe und verletzt sich oder verliert im Trubel sein Schlüsselbund.

Die Fan-Police gegen Schlüsselverlust, Unfall oder Verspätung ist kein PR-Gag. "Sie wurde unter den üblichen Qualitätsstandards entwickelt", wie Allianz-Sprecherin Châu Báu Tang-Rupp gegenüber manager magazin online versichert. Die Police ist auch Teil der vor Monaten verstärkten Partnerschaft mit dem FC Bayern München. So stieg der Versicherungsriese mit 110 Millionen Euro bei dem Club ein, verlängerte die Namensrechte an dem Stadion bis 2041 - und kündigte eben spezielle Versicherungsprodukte für die Fans an.

Bisher erhalte der Konzern von Fans und aus der Branche überwiegend positive Reaktionen zu dem neuen Produkt. "Mit dem Start der neuen Bundesliga-Saison können wir erste Abschlüsse verzeichnen", sagt die Allianz-Sprecherin. Für eine fundierte Bewertung sei es noch zu früh.

Das hört sich nicht so an, als würden die rund 240.000 FCB-Clubmitglieder und unzähligen Fans der Allianz jetzt die Türen einrennen. Dabei erwägt der Konzern, das Policenmodell in ähnlicher Form auch bei anderen Vereinen und für andere Events anzubieten.

Deutschlands größte Verbraucherschutzorganisation für Versicherte, der Bund der Versicherten (BdV), hat sich das Produkt näher angeschaut. Das Fazit fällt nicht günstig aus: "Geben Sie die zwei Euro lieber am Wurststand im Stadion aus. Da haben Sie meist mehr von", rät BdV-Experte Martin Oetzmann. Auch hegt der BdV Zweifel, dass diese Versicherung vernünftig kalkuliert ist. Mit anderen Worten: "Diese Police gehört nicht ins Stadion."

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