Donnerstag, 19. Oktober 2017

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"Öko-Test" Bundesanleihe schlägt Lebensversicherung

Ablaufleistungen: Das zahlen die besten Lebensversicherer
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Corbis

Eine Studie hat erstmals real abgelaufene Lebensversicherungen untersucht. Bundesanleihen rentieren demnach unter dem Strich besser als die meisten Policen. Eine gewagte These.

Hamburg - Bei den Verbraucherzentralen genießt die Lebensversicherung als Kapitalanlageprodukt keinen guten Ruf. Viele Policen rechneten sich wegen der hohen Kosten nicht, heißt es. Über die wahre Höhe der Kosten würden Anbieter ihre Kunden zudem auch nur im Kleingedruckten informieren. Drittens würde mindestens die Hälfte der Kunden den Vertrag nicht durchhalten und machten dann erst recht ein schlechtes Geschäft. "Es gibt bessere Alternativen", sagt Edda Castello von der VZ Hamburg.

Branchenkenner wie Manfred Poweleit halten dagegen. Sie sehen gerade in unsicheren Kapitalmarktzeiten die Lebensversicherung als verlässliche Alternative. "Im Gegensatz zu anderen Anlegern hat bislang kein Kunde Geld mit einer Lebensversicherung verloren", sagt der Map-Report-Chef.

Sein Branchendienst analysiert seit vielen Jahren die Ablaufleistungen von Lebensversicherungen. Die sind im Zuge der anhaltenden Niedrigzinsen kräftig gefallen. Viele private Vorsorgepläne, soweit sie sich nur auf Lebensversicherungen basieren, dürften mittlerweile Makulatur sein - diesen Schluss lassen auch die Zahlen von Map-Report zu.

Das Problem: Ein genaues Abbild böten sie nicht, da sie auf einem Musterkundenfall und primär von der Assekuranz abgefragten Daten fußen, monieren Verbraucherschützer.

"Öko-Test": Mit Bundesanleihen wären die Kunden besser gefahren

"Öko-Test" und die VZ Hamburg glauben nun ein marktgenaueres Abbild liefern zu können. "Weil es sich hier erstmals um eine Untersuchung von echten abgelaufenen Verträgen handelt - ohne Zahlungspausen oder Beitragsfreistellungen", wie Castello betont. Die Verbrauchzentrale lieferte die anonymisierten 76 Kapitallebens- und sieben Rentenversicherungen von 39 Anbietern für die Studie, die manager magazin online vorab vorliegt.

Die schmale Untersuchungsbasis von 83 Verträgen ist eine Schwäche der Studie und "zweifelsohne nicht repräsentativ" wie "Öko-Test" selbst einräumt. Gleichwohl liefere sie einen guten Eindruck von den realen Renditen abgelaufener Policen, ist man überzeugt.

Die zwischen 1963 und 2001 abgeschlossen Verträge liefen zwischen zwölf und 45 Jahren und erzielten je nach Laufzeit unterschiedliche Renditen: durchschnittlich zwischen 3,10 und 4,49 pro Jahr, haben Öko-Test und der Mathematiker Axel Kleinlein errechnet. Ein schwaches Ergebnis, meint Öko-Test. Bereits mit sicheren Bundesanleihen - am Markt gekauft und bei der Finanzagentur verwahrt - hätten die Kunden mit gleichem Einsatz und bei gleicher Laufzeit zwischen 4,33 und 6,73 Prozent Rendite im Jahr erzielt.

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