Dienstag, 30. August 2016

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Rürup, Riester & Co Lebensversicherer-Neugeschäft bricht dramatisch ein

Der Streit um die Beteiligung an den Bewertungsreserven und fallende Renditen lassen Verbraucher immer mehr am Produkt Lebensversicherung zweifeln

Die Lebensversicherer mussten im ersten Quartal beim Neugeschäft einen drastischen Rückgang verkraften. Besonders alarmierend: Auch Policen gegen hohen Einmalbeitrag - bislang der Rettungsring der Branche - verloren deutlich, zeigt ein internes Papier.

Hamburg - Die Lebensversicherer erreichen mit ihren Produkten immer weniger Menschen in Deutschland. Das zeigte bereits das Neugeschäft im vergangenen Jahr: Um 13 Prozent brachen die laufenden Beiträge ein - das eigentliche Kerngeschäft der Anbieter.

Dieser Trend hat sich im ersten Quartal 2014 nochmals verschärft: Der laufende Beitrag für ein Jahr rutschte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11,3 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro ab, wie aus einer internen Mitteilung des Interessenverbands GDV an seine Mitglieder hervorgeht, die manager magazin online vorliegt.

Für die Erosion des Neugeschäfts mit laufenden Monatsbeiträgen machte der GDV unlängst einmal mehr die demografische Entwicklung verantwortlich: Der "Pillenknick" der 70er Jahre schlage jetzt voll durch im Geschäft. Weniger Menschen zwischen 20 und 40 Jahren würden einen Vorsorgevertrag abschließen, betonte GDV-Präsident Alexander Erdland.

Geschäft gegen Einmalbeitrag als Rettungsring verliert ebenfalls

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Verzinsung der Policen und damit ihre Ablaufleistungen sind in der letzten Dekade kontinuierlich gesunken und machen das Produkt unattraktiver. Die Regierung will die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven neu regeln, vermutlich zum Nachteil ausscheidender Versicherter.

Im kommenden Jahr soll zudem die garantierte Verzinsung des Sparanteils der Prämie auf 1,25 Prozent sinken, empfehlen die Aktuare der Lebensversicherer. Die Rendite herkömmlicher privater Rentenpolicen mit einer Laufzeit von 20 Jahren oder weniger wird dann nach Kosten für Provision und Verwaltung gegen Null tendieren, hatte die Ratinagentur Assekurata unlängst errechnet. Den Kunden bleibt damit nur die Hoffnung auf die nicht garantierten Überschusszahlungen.

Viele Verbraucher haben diese Hoffnung offensichtlich nicht mehr. Besonders alarmierend: Auch das Geschäft mit hohen Einmalbeiträgen zumeist älterer Kunden, das die Lebensversicherer im vergangen Jahr noch halbwegs über Wasser hielt, fiel um 3,5 Prozent auf 6,48 Milliarden Euro im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres.

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