Freitag, 9. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Police ohne Garantiezins Wie gut ist die neue Ergo-Rente wirklich?

Renditestark, verständlich? Die neue Ergo-Rente ohne Garantiezins ist beides nicht, sagt Branchenexperte und Versicherungsmathematiker Kleinlein.

Ab 1. Juli kommt die neue Ergo-Rente ohne Garantiezins auf den Markt. Für den Lebensversicherer geht es um viel. Exklusiv für manager magazin online hat der bekannte Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein Produkt und Kleingedrucktes analysiert. Sein Fazit ist vernichtend.

Hamburg - Die Vermittler der Ergo müssen uns an dieser Stelle ausnahmsweise mal ein wenig leid tun. Seit Wochen büffeln sie den Stoff zur neuen Rentenpolice, um das Produkt pünktlich ab 1. Juli erfolgreich unter das Volk zu bringen - dann also, wenn die meisten Deutschen hier zu Lande oder andernorts Sonne, Strand oder Berge genießen.

Der Vertrieb der neuen Police, mit dem der Lebensversicherer des Konzerns ein neues Kapital in der Altersvorsorge aufschlägt, dürfte auch im übertragenen Sinn eine schweißtreibende Angelegenheit werden. Die Leben-Sparte schwächelt, die Erwartungen an das neue Produkt sind hoch. 80 Prozent des Neugeschäfts soll die neue Fondspolice ohne Garantiezins künftig einspielen. Das Produkt trifft auf zusehends kritischere Verbraucher, die - eigentlich vorsorgemüde -, gerade in unsicheren Zeiten die Sicherheit möglichst lebenslanger Garantien einfordern.

Diese und die hohen Zinszusagen der vielen älteren Verträge bereiten jedoch so manchem Anbieter Probleme. Weil sie laut Finanzaufsicht in der anhaltenden Niedrigzinsphase ein Risiko darstellen, muss die Branche dafür jedes Jahr Milliarden Euro reservieren - sprich wertvolles Eigenkapital blockieren. Das belastet die Bilanz und vermindert die Gewinnaussichten der Versicherten. Auf der anderen Seite wollen auch die Aktionäre ihren Teil.

So wundert es nicht, dass gerade weniger finanzkräftige Anbieter und die Töchter großer Aktiengesellschaften mit neuen Produkten an der lebenslangen Garantie rütteln - und damit am Alleinstellungsmerkmal der deutschen Lebensversicherung. Genossenschaftlich organisierte Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit halten sich dagegen zurück. Die Ergo macht jetzt den Vorreiter. Sie hat bereits Anfang Juni in einer eigens anberaumten Konferenz die Grundzüge der neuen "Ergo Rente Garantie" vorgestellt - im Kern eine fondsgebundene Police. Die Allianz will im Juli ebenfalls neue Garantieprodukte am Markt einführen.

Exklusiv für manager magazin online hat der Versicherungsmathematiker und ehemalige Vorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein, ein Angebot der neuen Ergo-Rente analysiert. Der unabhängige und gefürchtete Branchenkritiker hat sich durch Allgemeine Versicherungsbedingungen, Produktinformationsblatt (PIB), Versicherungsurkunde und auch das andere Kleingedruckte gearbeitet.

mm: Herr Kleinlein, eine Fondspolice, die mir jeden eingezahlten Cent garantiert, das ist doch schon mal ein Wort, oder?

Kleinlein: Na ja. Wirklich Neues bietet die Ergo-Rente in diesem Punkt nicht. Auch Policen anderer Anbieter sehen den Kapitalerhalt vor. Die Zusage gilt ohnehin nur für die Ansparphase und lediglich bei einer Vertragslaufzeit von mindestens 15 Jahren. Als Kunde könnte ich mein Geld genauso gut 15 Jahre lang unter das Kopfkissen legen wenn es mir nur um die Garantie ginge. Nach Abzug der Inflationsrate machte ich damit real genauso einen Verlust.

mm: Was zuträfe, wenn die Fonds nicht performten. Bei einer durchschnittlichen Wertentwicklung ist nach 35 Jahren und 100 Euro Monatsbeitrag zum vereinbarten Rentenbeginn eine Beitragsrendite von rund 3,5 Prozent drin.

Kleinlein: Vorsicht. Die Zahlen die Sie nennen, sind, wie Sie wissen, Beispielrechnungen der Ergo. Niemand weiß, ob die Fonds das wirklich einspielen werden. Die im Produktinformationsblatt unterstellte Wertentwicklung der Fonds von 6 Prozent muss man erst einmal schaffen. Und schon da gibt es so manche Ungereimtheit.

mm: Was meinen Sie damit?

Nachrichtenticker

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH