Sonntag, 19. November 2017

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Rente im Test Die Tücken der neuen Allianz-Police

Überraschungen nicht ausgeschlossen: Wird die "Perspektive"-Rente der Allianz fällig, werden die Karten völlig neu gemischt

Die Allianz bietet eine neue Rentenpolice an. Exklusiv für manager magazin online hat Versicherungsexperte Axel Kleinlein das Angebot namens "Perspektive" analysiert. Im Interview sagt er, warum damit nicht nur der Kunde, sondern auch die Allianz ein Risiko eingeht.

Hamburg - Nach dem Versicherer Ergo ist auch die Allianz mit einer neuen Rentenpolice am Start. Auf den ersten Blick ähneln sich die beiden Newcomer stark: Die Allianz stellt mit ihrem Angebot "Perspektive" ebenso auf die Garantie der eingezahlten Beiträge der Versicherten und eine garantierte Mindestrente ab, wie auch die Ergo. Doch tatsächlich sind die Unterschiede erheblich.

  • Das Ergo-Produkt stellt in der Ansparphase eine fondsgebundene Police dar, verfügt aber über eine spezielle Rückversicherungslösung, die die Garantie sicherstellen soll.
  • Die Allianz Leben investiert die Kundengelder dagegen eher konservativ über das klassische Sicherungskapital. Die Allianz-"Perspektive" ist damit eine herkömmliche Lebensversicherung und verzichtet entgegen vielfacher Annahme nicht auf einen Garantiezins.

Wir haben für Sie prüfen lassen, wie gut das neue Allianz-Produkt ist und welche Tücken in der Rentenpolice der Allianz stecken. Exklusiv für manager magazin online hat das Axel Kleinlein übernommen, Versicherungsmathematiker und ehemaliger Vorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV). Sein Urteil: Die Garantiezinskonstruktion dieser Police hat es in sich und dürfte potentielle Kunden verwirren. Auch die Überschussbeteiligung sieht Kleinlein kritisch. Denn für eine mögliche, höhere Rente steht sie im schlimmsten Fall nicht zur Verfügung, sagt der Experte. Lesen Sie im folgenden Interview, was das neue Allianz-Angebot "Perspektive" seiner Meinung nach auszeichnet.

mm: Herr Kleinlein, nach der Ergo ist auch die Allianz mit einer neuen Lebensversicherung auf dem Markt. In der Konzernpräsentation findet sich so manches Versprechen, aber keines zu einem garantierten Zins. Verzichtet die Allianz nun auf den Garantiezins in der Ansparphase?

Kleinlein: Nein, eben nicht. Dass Medien hier anders berichten, darf aber nicht überraschen. Das Produkt "Perspektive" entpuppt sich als höchst kompliziert. Um nachzuvollziehen, was die Allianz da überhaupt kreiert hat, brauchte es sehr viel Rechercheaufwand im Kleingedruckten und vieler Nachfragen bei den Mathematikern der Allianz. Transparenz sieht anders aus.

mm: Können oder wollen die Produktmacher Transparenz nicht?

Kleinlein: Können schon. Aber vermutlich dürfen sie aus strategischer Sicht die neuen Produkte auch nicht allzu verständlich gestalten. Denn faktisch wollen sich die meisten Anbieter doch am liebsten von ihren lebenslangen Zinsversprechen lösen, müssen vordergründig aber weiter das hohe Lied der Garantie singen, weil die Kunden sie einfordern. Durchschauten die Versicherten genau, wie da Zusagen aufgeweicht oder abgesichert werden, würden sie womöglich die neuen Produkte nicht kaufen.

mm: Wenn die Allianz beim neuen Produkt am Garantiezins festhält, wie Sie sagen, hätte sie das doch geschickt kommunizieren können.

Kleinlein: Das hätte sie, mit rund 0,6 Prozent Rechnungszins wird aber kein Anbieter Jubelstürme ernten. Also kommuniziert man das lieber erst gar nicht.

mm: 0,6 Prozent? Üblich sind doch 1,75 Prozent.

Kleinlein: Üblich, aber nicht verpflichtend. Die Unternehmen dürfen derzeit höchstens 1,75 Prozent geben, drunter gehen dürfen sie aber immer. Die Allianz gewährt auch bei der neuen Police zunächst 1,75 Prozent Garantiezins, senkt diesen dann aber ab, sobald der Erhalt der bis dahin eingezahlten Beiträge gesichert ist. Von diesem Zeitpunkt an sind es bis zum Ende der Ansparphase nur noch etwa 0,6 Prozent.

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