Donnerstag, 19. Oktober 2017

Münchener Rück Erste Enttäuschung seit langer Zeit

Nikolaus von Bomhard: Der Munich-Re-Chef spricht von einem "sehr zufriedenstellenden" Ergebnis, Analysten und Investoren sehen das anders

Operativ läuft es für die Münchener Rück deutlich schlechter als gedacht. Der Gewinn bricht ein, die Aktie taumelt. Die Investoren sind verschreckt, Analysten skeptisch und der Konzernchef etwas kratzbürstig. Die Perspektiven sind auch nicht wirklich rosig.

Hamburg - Oft wird die Münchener Rück mit dem berüchtigten Fels in der Brandung verglichen, der Stürmen und einem niedrigen Kapitalmarktumfeld trotzt. Nach einem ungewöhnlich schadensarmen ersten Quartal zeigt aber auch der weltgrößte Rückversicherer deutliche Spuren des Abriebs. Die Investoren reagierten am Dienstag enttäuscht, schickten die Aktie auf Talfahrt.

Anders als Nikolaus von Bomhard interpretierten sie und einzelne Analysten das Ergebnis eben nicht als "sehr zufriedenstellend", wie der Konzernchef meinte. "Das ist die erste Enttäuschung seit längerer Zeit", betonte ein Marktteilnehmer. Fast ein wenig kratzbürstig kommentierte von Bomhard die Kursverluste von mehr als 5 Prozent in der Spitze: "Das interessiert uns eigentlich nicht, so lange es nicht dabei bleibt." An der Prognose von "annähernd" drei Milliarden Euro Gewinn in diesem Jahr hält das Management fest. Im Vorjahr waren es 3,2 Milliarden Euro.

"Das zweite Quartal 2013 hat die Markterwartungen verfehlt", sagte LBBW-Analyst Werner Schirmer. Die Gründe dafür sieht er vor allem in dem schwächeren Investmentergebnis und der hohen Schadenslast der Rückversicherungssparte im zweiten Quartal.

Für Großschäden musste die Munich Re im zweiten Quartal mit 605 Millionen Euro geradestehen, gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Von Menschen verursachte Großschäden machten dabei 160 Millionen Euro aus. Am teuersten kam den Konzern die Juni-Hochwasserkatastrophe in Mitteleuropa mit 230 Millionen Euro, die Erstversicherungstochter Ergo wird davon 50 Millionen Euro tragen.

Operatives Ergebnis fast halbiert, Lebensversicherung belastet

Angesichts eines schadensarmen ersten Quartals konnte die Munich Re im zweiten Quartal Rückstellungen für 150 Millionen Euro auflösen. Ein nicht zu unterschätzender Treiber für das Ergebnis der Schaden- und Unfallrückversicherung, möchte man meinen. Das letzteres mit 296 Millionen Euro dennoch gut 210 Millionen Euro unter dem Konsens lag, bezeichnete Schirmer als enttäuschend.

Das Konzernergebnis sank um mehr als ein Drittel auf 529 Millionen Euro und lag damit ebenfalls unter den Markterwartungen (561 Millionen). Dabei profitierte die Münchener Rück noch von Steuereffekten. Das operative Ergebnis hat sich mit 594 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr (1,1 Milliarden) fast halbiert. Hier schlug auch zu Buche, dass der Konzern rund 550 Millionen Euro auf Abschreibungen von Währungs- und Inflationsabsicherungen und Verkäufe von Finanzinstrumenten zu verkraften hatte, wie Finanzchef Jörg Schneider während der Pressekonferenz betonte.

Neben den höheren Schadenszahlungen haben nach Einschätzung von Merck-Finck-Analyst Robert Greil ein merklicher Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft und in der Erstversicherung niedrigere Lebensversicherungsbeiträge das Ergebnis stärker als erwartet belastet.

Operativ lieferte die Erstversicherung 187 Millionen Euro und damit rund 100 Millionen Euro weniger ab als im Vorjahreszeitraum. Das schwache Abschneiden geht vor allem auf die Lebensversicherung zurück. Hier lag das Ergebnis mit neun Millionen Euro weit unter den Erwartungen (65 Millionen), wie Analyst Schirmer betonte. Das Beitragsaufkommen in der Lebensversicherung brach im ersten Halbjahr um 17 Prozent ein, in Deutschland gar um 20 Prozent.

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