Freitag, 24. Februar 2017

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Urteil zu Lebensversicherung Gericht stoppt "Abschlusskosten-Abzocke"

Was eine Lebensversicherung wirklich kostet, können Kunden nicht erkennen, weil Unternehmen Kosten auf geschickte Weise verstecken und damit den Vertrag belasten, behaupten Verbraucherschützer

Lebensversicherer dürfen neben der so genannten Zillmerung keine weiteren Abschlusskosten zu Lasten des Kunden ansetzen, so das Oberlandesgericht Köln. Verbraucherschützer sprechen von  "Abschlusskosten-Abzocke" in der Branche und setzen auf ein höchstrichterliches Urteil.

Wer eine Lebensversicherung abschließt, zahlt dafür Geld - in der Regel für eine hoffentlich gute Beratungsleistung an den Vermittler. Diese Provisionen sorgten und sorgen immer wieder für Streit. Zum einen, weil sie als Teil der Abschlusskosten nicht gesondert ausgewiesen werden. Zum anderen, weil sie die Rendite eines Vertrags empfindlich schmälern können.

Dass Anbieter einem Vertrag neben den Abschlusskosten und Verwaltungskosten womöglich zusätzliche, versteckte Abschlusskosten aufbürden, wissen die wenigsten. Geht es nach einem aktuellen Urteil (Az. 20 U 201/15) des Oberlandesgerichts in Köln, könnte damit in Zukunft Schluss sein. Jedenfalls erklärten die Richter den Ansatz von zweierlei Abschlusskosten für Lebens- und Rentenversicherungen für unzulässig.

Der Bund der Versicherten (BdV) und die Verbraucherzentrale Hamburg hatten das Urteil zu Lasten der HDI Lebensversicherung erstritten. Strittig war in dem Verfahren, ob das Unternehmen, neben der sogenannten Zillmerung, also der Verteilung der Abschlusskosten auf mindestens fünf Jahre, weitere Abschlusskosten zu Lasten des Riester-Kunden ansetzen durfte.

Darf es nicht, urteilen die Richter, lassen aber die Revision vor dem Bundesgerichtshof zu. Ob HDI diesen Schritt gehen wird, ist noch unklar. Gleichwohl feiern die Verbraucherschützer das noch nicht rechtskräftige Urteil schon jetzt als wegweisend.

"Seit vielen Jahren bittet die Versicherungsbranche Verbraucher gegen Recht und Gesetz doppelt zur Kasse. Damit ist nun Schluss", ist Kerstin Becker-Eiselen von der VZ Hamburg überzeugt. Mit dem Urteil sei klar geworden, dass Versicherer Abschlusskosten nicht einfach nach Belieben aufstocken dürften, um sie dann versteckt aufzuteilen. Die Versicherer täuschten auf diese Weise den Kunden über die tatsächlichen Belastungen seines Vertrags.

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