Montag, 10. Dezember 2018

Überschussbeteiligung Allianz Leben hält Zins stabil - steigende Beteiligung aber nicht in Sicht

Gut 85 Millionen Lebensversicherungen horten die Deutschen noch

Nachhaltig höhere Zinsen für festverzinsliche Papiere in Europa sind angesichts der Politik der EZB nicht in Sicht. Dennoch wird die Allianz Lebensversicherung 2019 und damit das dritte Jahr in Folge die Verzinsung auf Lebens- und Rentenversicherungen stabil halten. Der zehn Jahre währende Abwärtstrend dürfte damit gestoppt sein. Mit steigenden Überschussbeteiligungen sollten die Kunden aber nicht rechnen.

Die Allianz Leben zahlt 2019 eine unveränderte Überschussbeteiligung von 2,8 Prozent auf klassische Leben-Policen, teilte der mit Abstand größte deutsche Lebensversicherer am Montag mit. Die laufende Überschussbeteiligung wird jedes Jahr neu festgelegt und ist nicht mit einer Beitragsrendite zu verwechseln. Denn die Zinsen werden lediglich auf den Sparanteil der Prämie gezahlt, also den um die Kosten für Vertrieb und Risikoschutz verminderten Beitrag.

Verträge, die im kommenden Jahr auslaufen, kommen laut Allianz mit einem Schlussüberschuss und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven auf eine Gesamtverzinsung von 3,4 Prozent. Bei Allianz Leben liegt sie damit im dritten Jahr in Folge auf diesem Niveau.

Sicher sind die Bewertungsreserven aber nicht: Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes dürfen Lebensversicherer diesen Teil der Gesamtverzinsung durchaus kürzen oder im Extremfall sogar ganz streichen in einem Jahr. Mit anderen Worten: Sie müssen ausscheidende Kunden im Extremfall gar nicht oder nicht mehr in dem Maße an Kursgewinnen aus festverzinslichen Wertpapieren beteiligen wie früher. Der Bund der Versicherten hatte im Sommer dieses Jahres noch angekündigt, er wolle das Urteil von dem Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen.


Lesen Sie auch: Die Tücken der neuen Allianz-Police "Fourmore"


Gleichwohl dürfte mit der Beginn dieser Deklarationsrunde der seit fast zehn Jahren anhaltende Abwärtstrend bei der Verzinsung bei den meisten Versicherern gestoppt sein, glauben manche Experten. Konkurrenten wie Axa und Alte Leipziger halten die Verzinsung ebenfalls stabil, viele andere dürften sich ebenfalls am Marktführer Allianz Leben orientieren. Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata geht für die Lebensversicherer in Deutschland von einer durchschnittlichen Überschussbeteiligung von 2,4 (2018: 2,47) Prozent aus.

"Hoffnung, dass das Tal der Tränen durschritten ist"

"Wir haben Hoffnung, dass das Tal der Tränen an den Kapitalmärkten durchschritten ist. Der Abwärtsdruck ist weg", sagte Heermann der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu habe auch die staatliche Senkung der Zinszusatzreserve beigetragen, die viele Versicherer zuletzt zum Verkauf lukrativer Kapitalanlagen gezwungen habe. "Dem Markt tut etwas Ruhe auch ganz gut."

Viele der 80 Lebensversicherer hatten in den vergangenen Jahren den Vertrieb von klassischen Policen mit lebenslangen Garantien gestoppt, weil sie angesichts der niedrigen Zinsen viel Kapital binden. Auch die Allianz verkauft im Neugeschäft fast nur noch Lebensversicherungen, für die sie keine feste Verzinsung über die ganze Laufzeit bietet, dafür aber mehr Renditechancen verspricht. Das Anlagerisiko liegt damit beim Kunden.


Lesen Sie auch: Allianz-Police "Persepktive" im Test


Die Allianz kommt mit diesen Policen im Neugeschäft inzwischen auf einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent und zählt zehn Millionen Kunden. Für ihre seit gut fünf Jahren vertriebenen "Perspektive"-Policen liegt die Überschussbeteiligung bei 2,9 Prozent, die Gesamtverzinsung bei 3,7 Prozent.

"Die Gesamtverzinsung seit drei Jahren auf diesem hohen Niveau zu halten, ist ein starkes Signal", sagte Allianz-Leben-Produktvorstand Volker Priebe. Die Überschussbeteiligung insgesamt anzuheben, daran sei jedoch nicht zu denken gewesen. "Wir streben eine nachhaltige Entwicklung an. Am Niedrigzinsumfeld hat sich schließlich nichts verändert."

An eine Trendumkehr ist nicht zu denken

Auch Assekurata-Experte Heermann glaubt nicht an eine schnelle Trendumkehr. "In den nächsten Jahren wird es nicht wesentlich nach oben gehen." Weiter sinkende Überschuss-Deklarationen seien aber schon deshalb nicht zu erwarten, weil sie den Versicherern wirtschaftlich kaum noch Entlastung brächten. Denn Kunden mit Policen aus den Jahren vor der Finanzkrise haben ohnehin Anspruch auf höhere Zinsen, weil der für die gesamte Laufzeit des Vertrages geltende Garantiezins damals deutlich höher lag.

rei mit Reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH