Samstag, 25. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Zinszusatzreserve Lebensversicherer bunkern immer mehr Geld

Zusehends weniger: Lebensversicherer werden in diesem Jahr bis zehn Milliarden Euro zurücklegen, um Garantien abzusichern. Das Geld fehlt den Kunden bei der Gewinnbeteiligung

Lebensversicherer legen immer mehr Geld für garantierte Zusagen zurück, zeigt eine Studie. In dem Ausmaß ist das nicht nötig, die Branche fährt noch sehr gute Gewinne ein, sagen Kritiker. Während die Anbieter also Steuern sparen, fehlt das Geld für die Gewinnbeteiligung.

Hamburg - Die Lebensversicherer in Deutschland legen immer mehr Geld auf die hohe Kante, um die höheren Garantiezusagen der Vergangenheit auch in Zukunft bedienen zu können. Die "Zinszusatzreserve" belief sich im Jahr 2013 auf sieben Milliarden Euro nach fünf Milliarden im Vorjahr, berichtete die Ratingagentur Assekurata am Montag.

Die Experten erwarten, dass die Unternehmen künftig auch für jüngere, niedriger verzinste Verträge mit einem Garantiezins von 3,25 Geld "nachreservieren" werden, wie es im Fachjargon heißt. Damit dürfte die Zinszusatzreserve in diesem Jahr um weitere acht bis zehn Milliarden Euro anschwellen, sagt Assekurata-Chef Reiner Will. Ende vergangenen Jahres summierte sich die Zinszusatzreserve bereits auf 13,5 Milliarden Euro.

Das Problem: Geld, das die Unternehmen für die Zinszusatzreserve zurücklegen, steht für die laufende Überschussbeteiligung nicht zur Verfügung. Die Kunden werden also, sollten die Kapitalerträge der Lebensversicherer nicht deutlich anziehen, mit einer weiter fallenden Überschussbeteiligung rechnen müssen.

Die Ratingexperten von Assekurata, die ihre Analyse zur Gewinnbeteiligung von 68 Unternehmen mit einem Marktanteil von 89 Prozent vorstellten, machten den Kunden da auch wenig Hoffnung. Anzeichen für einen größeren Zinsaufschwung seien nicht zu erkennen: "Es ist damit zu rechnen dass die Überschussbeteiligung weiter zurückgehen wird", betonte Will.

Kritiker monieren Bunkerpolitik der Unternehmen

Dabei steht die steigende Zinszusatzreserve der Unternehmen durchaus in der Kritik. Das zur Finanzierung der Reserve benötigte Geld stammt aus Kapitalerträgen, die mit den Prämien der Kunden erwirtschaftet wurden. Es fließt nicht in den Rohgewinntopf, den sich Unternehmen und Kunden teilen. Es wird vielmehr als Aufwand verbucht und schon vor der Gewinnermittlung abgezogen.

Die Unternehmen könnten dann trefflich über fallende Gewinne "jammern" und so eine fallende Überschussbeteiligung begründen, kritisiert "Öko-Test" in seiner jüngsten Ausgabe. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil für die Anbieter: Je weniger Gewinn die Unternehmen auch auf diese Weise ausweisen, desto weniger Steuern zahlen sie. Mit anderen Worten: "Die Versicherer rechnen sich arm", kritisiert "Öko-Test".

Zum Jammern bestehe aber bislang kein Grund. Die Lebensversicherer in Deutschland hätten angesichts einer durchschnittlichen Nettoverzinsung ihrer Kapitalanlagen von 4,58 Prozent (2012) "keine Probleme", ihre Garantiezinsen zu bedienen und müssten auch keine Kapitalanlagen verkaufen, wie vereinzelt behauptet wird. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Garantiezins über alle Tarifgenerationen hinweg lag 2013 bei 3,1 Prozent. Da ist also noch ausreichend Luft, möchte man meinen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH