Samstag, 15. Dezember 2018

Kfz-Versicherung Der Preis ist heiß - Autopolicen erstmals wieder billiger

Die Prämien in der Kfz-Versicherung sollen nach Jahren erstmals wieder fallen

Lange Zeit zeigten die Preise für Kfz-Policen nur nach oben. Erstmals seit Jahren sollen sie zum Stichtag 30. November wieder fallen. Ein Indiz für den verschärften Wettbewerb. Doch vor einem Wechsel sollte der Kunde möglichst unabhängigen Rat einholen.

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Vergleichsportale aber auch Versicherer selbst begleiten öffentlichkeitswirksam die "Wechselsaison" in der Kfz-Versicherung. Angeblich seien es Millionen Kraftfahrer, die sich Jahr für Jahr zum Stichtag 30. November einen neuen Anbieter suchten.

Dabei haben sowohl die Vergleichsportale als auch die Versicherer selbst ein geschäftliches Interesse. Check24 und Verivox vertreiben als Makler über ihre Internetseiten einen beträchtlichen Teil der neuen Verträge. Nach wie vor gilt die Kfz-Versicherung unter Versicherungsunternehmen als Einfallstor zum Vertrieb weiterer Produkte. Um neue Kunden zu fangen, investieren sie Millionen in diesem Zeitraum etwa in TV-Werbung.

Glaubt man Untersuchungen der Vergleichsportale, seien jetzt zum ersten Mal seit Jahren Neuverträge in der Kfz-Haftpflichtversicherung wieder günstiger geworden, berichten Check24 und Verivox unisono.

Am 30. November endet die reguläre Kündigungsfrist für Kfz-Policen. Erhöht der Anbieter die Preise, verlängert sich die Frist um einen Monat. Sowohl die Portale als auch die Versicherer starten deshalb im Herbst teure Werbekampagnen.


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Günstigste Anbieter würden Neuverträge im November im Schnitt 3 Prozent preiswerter verkaufen als noch vor einem Jahr, berichtet Verivox. Check24 meldet gar einen Rückgang von 5 Prozent. Die HUK Coburg als Marktführer in der Kfz-Versicherung berichtet von einer "ziemlich lebhaften" Wechselrunde in diesem Jahr. Die Allianz stellt fest, "dass der Wettbewerb intensiver geworden ist."

Die HUK ist seit einigen Jahren Primus im Geschäft mit Auto-Policen. Ende vergangenen Jahres hatten die Coburger 11,6 Millionen Fahrzeuge versichert, damit lagen sie klar vor der Allianz und ihren 8,5 Millionen Fahrzeugen. Doch Platz zwei ist den Münchnern zu wenig. Seit einem Jahr greift Europas größter Versicherungskonzern mit einer neuen Kfz-Police an, die einfacher und verständlicher sein soll - und bewirbt sie massiv.

Allianz verkauft Kfz-Policen jetzt auch über Vergleichsportale

Seit diesem Jahr verkauft die Allianz ihre Kfz-Verträge auch über Verivox, bisher war dort nur die Online-Tochter Allsecur vertreten. Denn der Vertrieb über die Portale ist für die Versicherer nicht billig, da sie Maklergebühren zahlen müssen. Die HUK hält sich aus diesem Grund nach wie vor von den Portalen fern.

Abgesehen von den zwei Platzhirschen mischen auch andere Konkurrenten mit: die zur italienischen Generali -Gruppe gehörende Cosmos Direkt, die französische Axa, aber auch der ADAC verkauft schon längst Kfz-Versicherungen. Nach einer Schätzung des Marktforschungsinstituts Nielsen beliefern sich die Ausgaben von acht Versicherern für Fernsehwerbung allein im Oktober auf fast 20 Millionen Euro.

Letzter Preisrückgang liegt acht Jahre zurück

Zuvor kannten die Preise in der Kfz-Versicherung jahrelang nur eine Richtung: aufwärts. Den letzten Preisrückgang in der Branche - Neu- und Bestandsverträge zusammengerechnet - gab es im Jahr 2010, wie Daten des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) zeigen.

Beobachter interpretieren die Preisrückgänge als Beleg für einen harten Wettbewerb um Marktanteile. Denn den niedrigeren Preisen stehen unaufhaltsam steigende Kosten gegenüber. Die Autohersteller erhöhen die Ersatzteilpreise jedes Jahr kräftig, außerdem wird in den Autos immer mehr teure Elektronik verbaut. Zu Beginn des Jahres hatte in der Branche daher kaum jemand Preissenkungen erwartet.

Doch sollten Kunden, die seit Jahren bei einem Versicherer unter Vertrag stehen und dabei schadensfrei geblieben sind, sich einen Wechsel gut überlegen. Der Preis allein sollte kein Kriterium sein.

Wie gut ein Versicherer ist, zeigt sich leider oft erst im Schadensfall. Ein Blick in aktuelle vergleichende Analysen etwa Stiftung Warentest oder auch der Rating-Agentur Franke und Bornberg zum Beispiel können da die Entscheidungsfindung erleichtern.

rei mit dpa

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