Dienstag, 21. November 2017

Zerstörung beim G20 Wer zahlt den Schaden - Steuerzahler oder Versicherer?

Eine Filiale der Supermarkt-Kette Rewe ist am Samstag in Hamburg im Schanzenviertel komplett geplündert worden.

Schon vor dem G20-Gipfel hatten Banken und Geschäfte in Hamburg ihre Scheiben und Türen verbarrikadiert - aus Angst vor Vandalismus. Zu recht, wie sich jetzt zeigt. In der Nacht zu Freitag und auch am ersten offiziellen Gipfeltag wurden etliche Scheiben eingeschlagen, Autos demoliert und zahlreiche Fahrzeuge auch in Brand gesteckt. Besonders viele Schäden scheinen die Randalierer im Stadtteil Altona und in der Elbchaussee angerichtet zu haben (siehe Videos) Auch wurden Menschen bei Zusammenstößen verletzt.

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Wer aber zahlt in diesem Fall überhaupt den Schaden?

Die gute Nachricht: Der Bund und die Stadt Hamburg haben den Opfern der gewaltsamen Proteste eine Entschädigung in Aussicht gestellt. Wie hoch sie sein wird und in welcher Form das geschehen soll, ist unklar. Letztlich käme so der Steuerzahler für die Begleichung des Schadens auf. Allerdings wird es auch hier nicht ohne die Versicherer gehen. Müssen sie doch den Schaden taxieren. Unklar ist auch, ob zum Beispiel das ausgebrannte Auto dann komplett aus der Staatskasse ersetzt wird.

Stecken Unbekannte ein Auto in Brand oder werfen die Fensterscheiben ein, reguliert den Schaden sonst die Teilkaskoversicherung des Autofahrers - sofern er sie abgeschlossen hat. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hin. Auch wenn es durch Böller Explosionen gibt, springe die Teilkaskoversicherung ein.

Anders beurteilt die Lobbyorganisation der Versicherungswirtschaft die Lage bei Schäden durch Vandalismus: Bei abgebrochenen Teilen, zerkratztem Lack, zertrampelten Motorhauben oder durch Steinwürfe zerbeulte Dächer komme dagegen nur eine dann (hoffentlich) abgeschlossene Vollkaskoversicherung auf.

Ohnehin wird der jeweilige Versicherer von seinem Versicherten dann den vereinbarten Selbstbehalt bei Voll- und Teilkasko jeweils einfordern. Wird ein Täter nach einer Demo oder bei Vandalismus doch noch ermittelt, kann die Versicherung ihn in Regress nehmen. Das dürfte aber äußerst selten der Fall sein.

Für Schäden, die an Gebäuden entstehen, sei es nun durch Farbbeutel oder Graffiti, kommt in der Regel die Wohngebäudeversicherung auf. Hier sollte der Versicherte allerdings noch einmal genau in seine Unterlagen schauen. Denn nicht selten verstecken sich im Kleingedruckten dann ärgerliche Ausschlussklauseln.

Die Kosten für zerstörte Glasscheiben wiederum reguliert lediglich die Glasbruchversicherung. Eine Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung tritt dafür nicht ein. Letztere reguliert aber Brandschäden an Gebäuden. Sollten auch Möbel oder anderer Hausrat beschädigt sein, kommt dafür die Hausratsversicherung auf.

Geraten Menschen bei Auseinandersetzungen auf der Straße zwischen die Fronten und kommen dabei zu Schaden, lassen sich die Verursacher erfahrungsgemäß nur selten feststellen. Das ist besonders bitter: Denn dann bleibt die verletzte Person zumeist auf dem Schaden sitzen, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Im schlimmsten Fall kann der Geschädigte seiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen; dann zahlt womöglich die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente. Allerdings hat nur ein Bruchteil der Deutschen so eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen. Verletzte Demonstranten wiederum, die womöglich noch die Randale mit angezettelt haben, werden sich vom Versicherer fragen lassen müssen, warum sie sich bewusst der Gefahr ausgesetzt haben. Für sie ist Versicherungsschutz eher unwahrscheinlich.

Mutwillige Zerstörungen zum G20 hier im Video:

rei

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