Samstag, 3. Dezember 2016

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Neue Policen-Variante Ergo bietet Lebensversicherung ohne Garantiezins

Ergo-Zentrale Düsseldorf: Ob die neue Police mit abgespeckten Garantie beim Kunden ankommt, ist unsicher.

Die Ergo wagt sich als erster Anbieter mit einer neuen Lebensversicherung ohne Garantiezins auf den Markt. Das Produkt hat Vorteile, seine abgespeckte Garantie lässt aber auch Zweifel aufkommen. Beißen die Kunden nicht an, hat die Ergo ein Problem.

Garantierter Erhalt aller Beiträge, garantierte Rente, hohe Flexibilität in der Ansparphase, Teilhabe an steigenden Märkten - in der Niedrigzinskrise der Lebensversicherung klingt das nach der Eier legenden Wollmilchsau der Altersvorsorge. Die Ergo-Strategen haben nach eigenem Bekunden zwar "viel Zeit und viel Gehirnschmalz" in die Entwicklung ihrer neuen Rentenpolice investiert. Die "Wollmilchsau war aber nicht unser Ziel", sagt Lebensversicherungsvorstand Johannes Lörper.

Vor wenigen Wochen noch hatte der Vorstandschef des drittgrößten deutschen Erstversicherers, Thorsten Oletzky, die Kollegen mit der Aussage brüskiert, mit Lebensversicherungen ließe sich kein Geld verdienen. Zum Workshop in Düsseldorf lassen die Vorstände der Leben-Sparte jedoch keinen Zweifel daran, dass die neue "Ergo Rente Garantie" zum "Maßstab für eine moderne Altersvorsorge" in Deutschland werden könnte. Dass die kapitalmarktnahe Police ein Erfolg werde, hatte Lörper bereits im April zu Protokoll gegeben.

Diesen Optimismus muss er wohl verbreiten. Die Leben-Sparte der Ergo hatte 2012 einen Verlust abgeliefert. Bei Ablaufleistungen und Absatz sind die großen Wettbewerber der Ergo enteilt. Floppt das neue Produkt, könnte es der letzte Versuch der Munich-Re-Tochter gewesen sein, den Anschluss zu finden. Die Konzernschwester Victoria hat das Neugeschäft längst eingestellt.

Die klassische Police mit lebenslangem Garantiezins will Ergo unterdessen im Programm behalten. Wenn aber 80 Prozent der künftig verkauften Policen die neue, eingedampfte Garantie tragen sollen, wie Konzernvorstand Daniel von Borries erklärt, ist klar wohin die Reise im Vertrieb geht. Besondere Verkaufsanreize will der Konzern für das neue Produkt gleichwohl nicht ausloben - man hat aus der Vergangenheit gelernt.

Beitragserhalt bis zur Rente und Kostentransparenz

Das neue Produkt, das am 1. Juli auf den Markt kommt, garantiert dem Kunden den Erhalt aller gezahlten Beiträge zum Rentenstart. "Den Kapitalerhalt erzielt er auch, wenn er sein Geld unter das Kopfkissen legt", relativiert Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein. Verdient Ergo am Kapitalmarkt Geld, wächst das zu verrentende oder auszuzahlende Kapital. Verdient Ergo kein Geld, macht der Kunde nach Inflation ein Verlustgeschäft.

Diese Bruttobeitragsgarantie greift allerdings lediglich für Verträge mit mindestens 15 Jahren Laufzeit. Kürzer laufende Verträge sehen eine prozentual geringere Garantiezusage vor. Garantierte Rückkaufswerte wie bei herkömmlichen Policen gibt es nicht. Wer seinen Vertrag vorzeitig auflöst, früher oder später als zum vereinbarten Zeitpunkt in Rente geht, muss sich mit dem jeweils aktuellen Vertragsguthaben zufrieden geben. Dies kann dann auch niedriger als die Summe der gezahlten Beiträge ausfallen. Das heißt, auch die Höhe der Rente ist dann nicht garantiert.

Da Garantiezusagen mit Eigenkapital zu hinterlegen sind, entlasten der Verzicht auf garantierte Rückkaufswerte und die zeitlich gestaffelte Bruttobeitragsgarantie die Bilanz der Ergo Lebensversicherung. Die Garantiekosten verringern sich auch dadurch, als die Garantien großteils durch den Ergo-Mutterkonzern MünchenerRück rückversichert sind.

Dieser Rückversicherungsschutz kostet selbstverständlich Geld, wofür der Kunde mit einem Teil seiner Prämie bezahlt. Die Kosten für die Garantieerzeugung - auch das ist neu - will Ergo künftig genauso einzeln ausweisen sowie sämtliche Kosten der Kapitalanlage und -verwaltung. "Wir weisen damit definitiv alle Kosten aus, verfügen über eine echte Effektivkostenquote", sagt Ergo-Vorstand von Borries.

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