Montag, 17. Dezember 2018

Neue Policen-Variante Ergo bietet Lebensversicherung ohne Garantiezins

Ergo-Zentrale Düsseldorf: Ob die neue Police mit abgespeckten Garantie beim Kunden ankommt, ist unsicher.

2. Teil: Garantiekosten sinken, Hoffnung auf mehr Rendite

Auch andere Anbieter verwenden diese "Reduction in Yield" (RiY). Sie soll zeigen, um wie viel Prozentpunkte Kosten die Rendite einer Police unter Annahme einer bestimmten Wertentwicklung mindern. Die "volle" Kostentransparenz der Ergo zieht ein Problem nach sich: Angesichts des erweiterten Ansatzes sei die eigene Effektivkostenquote mit jener der Wettbewerber nicht zu vergleichen, räumt Aktuar Lörper ein.

Kritiker wie Kleinlein monieren an der RiY ohnehin, dass sie die Vertragskosten während der Rentenphase ausblende. Doch neben positiven Aspekten sieht der unabhängige Experte mit dem neuen Ergo-Produkt auch Unwägbarkeiten für den Kunden verknüpft.

Vorstand und Aktuar Lörper hat im Gespräch mit manager magazin online erklärt, dass die Ergo abweichend von den Sterbetafeln der Deutschen Aktuarvereinigung eine etwas geringere Lebenserwartung der Kunden bei der Kalkulation ihrer neuen Rentenpolicen unterstellt. Das könnte die die Garantiezusage und die Vertragsrendite tendenziell erhöhen. "Das wäre sehr lobenswert. Die Ergo würde sich damit positiv von den Wettbewerbern abheben", sagt Kleinlein.

Wie nachhaltig ist die Absicherung durch den Mutterkonzern wirklich?

Die Rückversicherung und damit tendenziell niedrigeren Garantiekosten könnten der Vertragsrendite ebenso zuträglich sein. Zumal die von der MünchenerRück zur Absicherung dafür verwendeten Finanzinstrumente ein Wert an sich darstellen und dieser dem Guthaben des Kunden zum Teil zugerechnet werden soll, lobt Kleinlein ebenso.

Andererseits: "Wir kennen die Verträge mit dem Mutterkonzern nicht. Wie nachhaltig ist die Absicherung, sollte sich die MunicRe vom Leben-Geschäft der Ergo trennen?", fragt Kleinlein. MunicRe-Chef von Bomhard hat in der Vergangenheit mehrfach erkennen lassen, dass er am Lebensversicherungsgeschäft der Ergo wenig Gefallen findet und Zweifel geäußert, dass sich dieses Geschäft künftig noch profitabel betreiben lässt. Den Beweis muss die Ergo jetzt mit der neuen Police erbringen.

Um das Ziel zu erreichen, lockt der Anbieter potentielle Neukunden mit höheren Renditechancen. Dazu soll ein deutlich höherer Aktienanteil bei der Kapitalanlage von bis zu 40 Prozent beitragen. Läuft es gut am Aktienmarkt, könnte die Ablaufleistung einer neuen Police nach 35 Jahren gegenüber der klassischen Variante um bis zu 50 Prozent höher ausfallen, rechnet die Ergo vor. Bei kürzer laufenden Kontrakten fiele das Plus gegenüber dem Klassiker ungleich kleiner aus, was am Effekt des Zinseszins liegt. Läuft es hingegen schlecht an der Börse, würde der Kunde mit einer klassischen Police sogar besser abschneiden.

Bis zu 40 Prozent Aktien sollen die Rendite nach oben treiben

Gewissheit werden die Kunden darüber frühestens in zehn Jahren haben, wenn die ersten Kontrakte auslaufen. Dass von Bomhard dem Ergo-Management genauso viel Zeit einräumt, ist zweifelhaft. Um so mehr wird es auf die Vertreter ankommen, die seit Monaten ihren neuen Stoff bimsen und ab 1. Juli die Police verkaufen sollen.

"Versichern heißt verstehen", wirbt die Ergo. Man darf gespannt sein, wie die Vertreter potentiellen Kunden den Spagat zwischen Renditechance und abgespeckter Garantie erklären und schmackhaft machen wollen. Schließlich scheuen die allermeisten deutschen Vorsorgesparer das Risiko. Beißen sie an, könnte die neue Police zum erhofften Befreiungsschlag für die Ergo Lebensversicherung werden. Wenn nicht, wäre es vermutlich der letzte Versuch, das Geschäftsmodell zu retten.

Die Ergo macht jetzt den Vorreiter. Einige ihrer Wettbewerber werden sich das sehr genau anschauen. Auch sie erwägen, ihre Kunden mit neuen abgespeckten Garantien und größeren Renditechancen beglücken zu wollen.

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