Sonntag, 26. Juni 2016

Assekuranz Zu früh für den Abgesang

Allianz: Der Lebensversicherer des Konzerns erwirtschaftet hohe Gewinne und ist effizient. Davon profitieren Versicherte und Anteilseigner

Die deutschen Lebensversicherer sind besser als ihr Ruf. Das gelte jedenfalls für die zwölf größten der Branche, ist Wissenschaftler Hermann Weinmann überzeugt. Seine Studie zeigt auch: Die Kluft unter diesen Anbietern ist groß.

Hamburg - Was macht einen guten Lebensversicherer aus? Er muss möglichst viel Geld am Kapitalmarkt verdienen, geringe Kosten ausweisen und seine Kunden in hohem Maße am Unternehmenserfolg beteiligen, sagt Hermann Weinmann. In schlechten Kapitalmarktzeiten sollte er zudem in der Lage sein, aus gebildeten Polstern die Ausschüttung an den Kunden lange konstant zu halten, ist der Finanzwissenschaftler von der Hochschule Ludwigshafen überzeugt.

Das gelingt den zwölf größten Lebensversicherern in Deutschland sehr unterschiedlich, wie eine neue Analyse des Experten zeigt. Weinmann hat dafür die Bilanzen und Lageberichte der Unternehmen des vergangenen Jahres genau unter die Lupe genommen.

Anhaltend niedrige Kapitalmarktzinsen, sinkende Kundengutschriften, schleichender Abschied von lebenslangen Garantien - nicht wenige sehen die finanzielle Vorsorge über eine Lebensversicherung in Deutschland daher als Auslaufmodell. Weinmann nicht. Das Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherer habe sich auch im Jahr 2012 als "stabilste Form der Altersversorgung bewährt". Der Abgesang auf die klassische Lebensversicherung sei verfrüht, heißt es in der Studie, die manager magazin online vorliegt.

Allianz, Bayern-Versicherung, Debeka und R+V gelten als "erste Wahl"

Die Analyse zeigt gleichwohl, die Kluft zwischen "empfehlenswerten" und schwächeren Gesellschaften ist groß. Erstere lieferten den Kunden schon länger respektable Ergebnisse, und auch ihre Anteilseigner müssten nicht darben.

Betriebswirtschaftlich gesehen stellen Allianz Leben, Bayern Versicherung, Debeka und die R+V Leben für Weinmann die "erste Wahl" dar. Bei der Kapitalanlage, den Kosten und der an den Reserven gemessenen Fähigkeit, die Zahlungen an die Kunden lange stabil zu halten, schnitten diese Unternehmen laut Analyse am besten ab.

Ranking der zwölf größten Lebensversicherer 2012
Rang (Vorjahr) Gesellschaft Betriebs-wirtschaftlicher Erfolg (Punkte) Verbraucher-Ergebnis (Punkte) Verbrauchernote
1 (1) Allianz Leben 900 713 1,3 sehr gut
2 (2) Bayern-Versicherung 800 703 1,3
3 (3) R+V Leben 750 662 1,7 gut
4 (4) Debeka Leben VVaG 750 653 1,7
5 (-) Cosmos Leben 650 608 2,0
6 (6) Württembergische Leben 500 431 2,7 befriedigend
7 (8) Nürnberger Leben 450 396 3,0
8 (11) Generali Leben 350 345 3,3
9 (10) Ergo Leben 350 315 3,3
10 (9) Zurich Deutscher Herold 350 311 3,3
11 (12) AachenMünchener Leben 300 276 3,7 ausreichend
12 (7) HDI Leben 250 238 3,7
Quelle: Hermann Weinmann, Hochschule Ludwigshafen (FH)
Kriterien betriebswirtschaftlicher Erfolg: Nettoverzinsung Kapitalanlagen, Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Bewertungsreserven, Überschuss-Reservefaktor (maximal 1000 Punkte).
Verbraucherergebnis: Punktzahl betriebswirtschaftlicher Erfolg x Beteiligungsquote der Versicherten am Gewinn (Rohüberschuss).
Betriebswirtschaftlich schwächere Anbieter wie vor allem HDI Leben, Aachen Münchener oder die Ergo Leben fielen dagegen deutlich ab. Sie litten deutlich stärker unter den historisch niedrigen Zinsen, den verpflichtenden Zuweisungen zur Zinszusatzreserve oder den Eigenkapitalanforderungen. "Die jeweiligen Konzermütter verdienen mit ihrer Tochter kaum noch Geld", stellt Bilanzexperte Weinmann fest. Aber "auch die Versicherungsnehmer hätten Besseres verdient".

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