Sonntag, 4. Dezember 2016

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Versicherer Axa lobt EZB und stellt sich gegen den Rest

Axa-Chef Henri de Castries: Seine lobenden Worte für die Geldpolitik der EZB sind zumindest mit Blick auf deutsche Versicherer die absolute Ausnahme

Deutsche Versicherer sind auf die EZB nicht gut zu sprechen - vor allem Lebensversicherer. Entzieht sie der konservativ anlegenden Branche doch mit ihrer Zins- und Geldpolitik zusehends die Ertragsgrundlage. Die Axa hingegen findet nun lobende Worte für die Zentralbank - das überrascht nicht wirklich.

München/Hamburg - Seltenes Lob für die EZB-Politik aus der Versicherungsbranche: Anders als die meisten Vertreter der deutschen Konkurrenz begrüßt der Chef des französischen Konzerns Axa das Anleihekaufprogramm der europäischen Währungshüter.

"Es ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte der Axa-Vorstandsvorsitzende Henri de Castries der "Süddeutschen Zeitung". "Natürlich brauchen wir auch politische Strukturreformen - aber es ist die richtige Richtung." Deutsche Branchenvertreter hatten dagegen den Aufkauf von Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) für mehr als eine Billion Euro heftig kritisiert.

Um die weiter lahmende Wirtschaft in der Euro-Zone anzukurbeln, will die EZB in den kommenden Jahren Wertpapiere - und hier vor allem Staatsanleihen - für mindestens 1,14 Billionen Euro aufkaufen. Mit dem dadurch in den Markt gepumpten Geld will die Notenbank einen für die Konjunktur gefährlichen Preisrückgang verhindern und die Kreditvergabe beleben.

Das Problem: Auf der anderen Seite hält diese zusätzliche Geldschwemme die Zinsen in der Euro-Zone für längere Zeit weiter auf sehr niedrigem Niveau. Das macht es für Versicherer immer schwieriger, für ihre Kunden die versprochenen Renditen zu erwirtschaften.

Insbesondere für Lebensversicherer in Deutschland sind Niedrigzinsen zusehends ein Problem. Sie haben garantierte Zinsverpflichtungen in ihrem Bestand von rund 3 Prozent und sind im Branchenschnitt mit 90 Prozent ihrer Kapitalanlage in festverzinsliche Papiere investiert. Als vergleichsweise sicher geltende Staatsanleihen werfen diese Rendite schon lange nicht mehr ab.

Axa Lebensversicherung von der EZB-Politik weniger betroffen

Aus diesem Grund hagelte es aus Deutschland Kritik an der Entscheidung von EZB-Präsident Mario Draghi. So hatte zum Beispiel Alexander Erdland, Chef des Finanzdienstleisters Wüstenrot & Württembergische und Präsident des Branchenverbands GDV den EZB-Schritt als eine Zumutung bezeichnet.

Zwar hat die Branche im vergangenen Jahr besagte 3 Prozent mit einer durchschnittlichen Kapitalanlagerendite von 4,49 Prozent noch gut geschafft. Allerdings ist das wie gesagt der Branchenschnitt. Er lag auch deshalb vergleichsweise hoch, weil Unternehmen durch den Verkauf von älteren, noch höher verzinsten Wertpapieren Bewertungsreserven gehoben und damit die Nettoverzinsung ihrer Kapitalanlagen deutlich in die Höhe getrieben haben.

Das trifft insbesondere für die Axa Lebensversicherung (5,5 Prozent) zu, wie eine Bilanz-Analyse des Jahres 2013 der 12 größten Anbieter von Professor Hermann Weinmann von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein zeigt.

Stärker als andere Lebensversicherer fokussiert sich die Axa auf fondsgebundene Lebensversicherungen - deren Anteil an den gebuchten Bruttobeiträgen betrug laut Weinmann 14 Prozent im Jahr 2013. Diese Policen verzichten auf die klassische Garantie, verlagern das Anlagerisiko auf den Kunden, der mit dem Produkt zugleich stärker in Aktien und anderen risikoreicheren Asset investiert ist, weil die Axa im Vergleich zu Wettbewerbern das Kudengeld stärker in Aktien und Assets jenseits von festverzinslichen Papieren investiert.

Auch vor diesem Hintergrund ist wohl die größere Gelassenheit der Axa gegenüber den niedrigen Renditen im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere und der jüngsten EZB-Entscheidung, Staatsanleihen in Billionenhöhe aufzukaufen, zu verstehen.

Zur ersten Wahl zählt die Axa Lebensversicherung in Deutschland laut Weinmann allerdings nicht. Das hat auch mit den vergleichsweise hohen Verwaltungs- und Abschlusskosten zu tun, sowie dem mittelmäßigen betriebswirtschaftlichen Erfolg des Anbieters. In Deutschland verliert die Axa seit Jahren Marktanteile.

rei

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