Sonntag, 4. Dezember 2016

BGH setzt Grenzen für Autoreparaturkosten Versicherer muss Reparaturkosten in Markenwerkstatt zahlen

Schon ärgerlich genug: Doch was, wenn der Versicherer nur die Kosten einer günstigen Werkstatt zahlen will? In bestimmten Fällen muss er die Reparaturkosten der Markenwerkstatt zahlen, urteilte am Mittwoch der BGH

Autofahrer bekommen von ihrer Kfz-Versicherung nach einem BGH-Urteil unter bestimmten Bedingungen die Kosten für eine Unfall-Reparatur in einer Marken-Werkstatt ersetzt.

Den Richtern zufolge kann ein Autobesitzer die Kosten einer Markenwerkstatt in der Regel in folgenden drei Fällen verlangen: Wenn es sich um ein "neueres Fahrzeug" handelt, es bisher regelmäßig von einer Markenwerkstatt gewartet wurde (Stichwort "checkheftgepflegt") oder wenn nur eine Markenwerkstatt den PKW richtig Instandsetzen kann. Der Autofahrer muss selbst nachweisen, dass diese Gründe vorliegen (Az. IV ZR 426/14).

Autofahrer können wählen, ob sie nach einem Unfall die tatsächliche Reparatur-Rechnung einreichen oder den Schaden von einem Kfz-Gutachter schätzen lassen. Viele tun das, wenn sie das schwer beschädigte Fahrzeug nicht mehr reparieren lassen wollen, sondern sich einen neuen Wagen anschaffen.

Mercedes-Fahrer forderte Reparaturkosten der Mercedes-Werkstatt in bar

Ein Autofahrer erzielte vor dem BGH mit seiner Klage gegen die VHV Allgemeine nun einen Etappensieg. Das Landgericht Berlin hatte noch der Versicherung Recht gegeben. Der Mercedes-Fahrer hatte sein Auto nach einem selbstverursachten Unfall nicht reparieren lassen und forderte von der Vollkasko-Versicherung die angenommenen Kosten dafür zurück. Ein Gutachter errechnete bei der "fiktiven Abrechnung" einen Aufwand von 9400 Euro - auf Basis der Sätze einer Mercedes-Werkstatt. Der Versicherer zahlte aber nur 6400 Euro und berief sich dabei auf die deutlich günstigeren Sätze einer freien Werkstatt in der gleichen Gegend.

Der Anwalt der Versicherung hatte vor dem BGH argumentiert, der Autofahrer wolle sich womöglich bereichern: "Er möchte mehr Geld von der Versicherung in Cash haben als tatsächlich notwendig wäre, um das Fahrzeug in einer freien Werkstatt fachgerecht reparieren zu lassen."

Seine Anwältin widersprach. Der BGH stelle lediglich die fiktive Schadensabrechnung gleich mit der Abrechnung für eine tatsächliche Reparatur. Der konkrete Fall muss nun vom Landgericht Berlin noch einmal geprüft werden . Es muss feststellen, ob hier die Voraussetzungen für den Anspruch des Autofahrers vorliegen.

rei/dpa

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