Sonntag, 26. Juni 2016

Milliarden-Investition fürs Digitalgeschäft Allianz will Kunden via Internet in die Filialen locken

Die Allianz will mit einer Milliardeninvestition das Digitalgeschäft des Versicherers ausbauen

Die Allianz Deutschland hat bei fallenden Umsätzen in 2015 ihren Gewinn gesteigert - auch dank realisierter Kursgewinne. Jetzt soll viel Geld in die Digitalisierung fließen - die Zahl der Vertreter aber deshalb nicht weiter sinken.

Die Allianz Deutschland verspricht sich neuen Schub für ihre Filialen durch den Ausbau ihrer Online-Angebote. "Zwei Drittel unserer Agenturen arbeiten bereits damit. Und diejenigen, die es benutzen, wachsen stärker als der Rest", sagte Vorstandschef Manfred Knof.

Die Allianz werde bei Produkten, Beratung und Service die Offline-Welt noch stärker mit der Online-Welt verbinden. Dazu zählten neben Internetseiten auch Apps für Schadensmeldungen oder zur Abrechnung ärztlicher Behandlungskosten.

Die in den vergangenen Jahren rückläufige Zahl der Vertreter solle nicht weiter schrumpfen, sagte Finanzvorstand Burkhard Keese. Im Gegenteil: "Wir können uns in Zukunft eine leicht wachsende Vertreterzahl vorstellen." Insgesamt vertreiben nun rund 8300 selbständige Vertreter in 8000 Agenturen Verträge der Allianz. Das Unternehmen selbst beschäftigt wie bisher knapp 30.000 Mitarbeiter.

Allianz Deutschland will in Umbau gut eine Milliarde investieren

Knof, der die Allianz Deutschland seit April leitet, hatte einen Ausbau des Digitalgeschäfts angekündigt und will den Versicherer auch damit auf mehr Effizienz trimmen. In den Konzernumbau will er mehr als eine Milliarde Euro investieren. Auch in den kommenden zwei bis drei Jahren würden jeweils 400 Millionen Euro investiert, davon rund 100 Millionen Euro in das Digitalgeschäft, sagte Finanzchef Keese. Der neue Boss des Gesamtkonzerns, Oliver Bäte, hat dem Versicherungsriesen bereits größere Produktivität verordnet.

Lesen Sie auch: Konzernchef Bäte bremst nach erster Bilanz

Trotz niedriger Marktzinsen verdiente die Allianz Deutschland 2015 mit ihren Kapitalanlagen mehr als bisher und steigerte damit ihren Jahresgewinn. Das operative Ergebnis legte um vier Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. "Wir sind deshalb besonders stolz auf dieses Ergebnis, weil es in einem nicht leichten und herausfordernden Markumfeld entstanden ist", sagte Knof.

Kapitalanlageergebnis durch realisierte Kursgewinne gesteigert

Ausschlaggebend seien Kursgewinne gewesen, die das Unternehmen im Rahmen seines Portfoliomanagements habe realisieren können. Allianz Deutschland verkaufte Anleihen zu höheren Bewertungen als zuvor intern angesetzt und erzielte damit Buchgewinne. Im Bestand sank der Anteil festverzinslicher Wertpapiere von 86 auf weniger als 83 Prozent. Die Aktienquote ist gestiegen: von 7,7 auf 8,7 Prozent. "Zur Zeit würde ich davon ausgehen, dass die Aktieninvestments ungefähr gleichbleiben", sagte Keese.

Allianz Deutschland macht weniger Umsatz

Netto stieg der Gewinn, der ein Jahr zuvor durch einen Sondereffekt belastet worden war, sogar um 19 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz, der im Jahr 2014 durch ein starkes Geschäft mit Einmalbeiträgen noch auf Rekordhöhe gestiegen war, sank um knapp 4 Prozent auf 31 Milliarden Euro.

Wie andere Versicherer reagiert die Allianz auf die Zinsflaute mit neuen Lebensversicherungen, die statt lebenslanger Zinsgarantien höhere Erträge bringen sollen. Der Anteil der klassischen Lebensversicherungen am Neugeschäft schrumpfte im vierten Quartal auf 12 Prozent.

rei/Reuters

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH