Sonntag, 25. September 2016

Allianz Lebensversicherung Mehr Geld für Aktionäre, weniger für Versicherte

Allianz Lebensversicherung: Wie sich der Rohgewinn genau zusammensetzt lässt der Marktführer offen
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Allianz Lebensversicherung: Wie sich der Rohgewinn genau zusammensetzt lässt der Marktführer offen

Die Allianz Lebensversicherung verdient sehr gut. Doch der Anteil der Versicherten am Gewinn sinkt, die Aktionäre erhalten mehr. Bilanzexperte Hermann Weinmann fordert im Interview mehr Transparenz beim Marktführer und kritisiert so manche Ungereimtheit.

mm: Herr Weinmann, für Sie ist die Allianz "das Maß der Lebensversicherung". Doch der Marktführer hat die Verzinsung für 2013 empfindlich gesenkt. Obwohl er, wie Ihre Analyse jetzt zeigt, 2012 am Kapitalmarkt sehr erfolgreich war. Ist vor diesem Hintergrund der harte Schnitt gerechtfertigt?

Weinmann: Wir wissen nicht, wie lange die Zentralbanken mit ihrer Politik der ultraniedrigen Zinsen den schleichenden und "leichten Tod" der Zinsanlagen betreiben. Die in Japan ausgerufenen "Abenomics" erhöhen die Dosis. Ich habe deshalb ein gewisses Verständnis in dieser für die Lebensversicherung kritischen Situation, das Pulver trocken zu halten. Man darf auch nicht vergessen, dass die Überschussbeteiligung ein Wettbewerbsinstrument ist. Wenn die Hauptkonkurrenz nicht mehr bietet, kann man sich etwas zurückhalten.

mm: Die Branche jammert fortwährend über Niedrigzinsen. Die Allianz Leben hat 2012 die Rendite auf ihre Kapitalanlagen aber auf 5 Prozent gesteigert. Kann sie Kapitalanlage besser als die Wettbewerber oder hat die Allianz die Rendite etwas aufgehübscht?

Weinmann: Auch einige andere können Kapitalanlage. Die Allianz Leben erreichte 2012 eine laufende Verzinsung von 4,2 Prozent, die "locker" reichte, die Garantieverzinsung von im Schnitt 3,1 Prozent zu erfüllen. Auf die Nettoverzinsung von 5 Prozent kam sie im Wesentlichen durch die Umschichtung von Anleihen mit kürzerer Restlaufzeit in solche mit längerer Restlaufzeit. Insgesamt stiegen die Veräußerungsgewinne von 800 Millionen Euro im Vorjahr auf 1,2 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung von 50 Prozent.

mm: Wenn also primär Veräußerungsgewinne für den Zuwachs der Rendite verantwortlich sind, müsste die Allianz ihre Bewertungsreserven ja kräftig geschröpft haben, oder?

Weinmann: Könnte man meinen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Bewertungsreseven sind geradezu "explodiert". Ende 2012 erreichten sie 29,5 Milliarden Euro, und der relative Anteil am Buchwert der Kapitalanlagen stieg von 11,1 Prozent im Jahr 2011 auf den neuen Rekordwert von 19,7 Prozent.

mm: Knapp 30 Milliarden Euro allein bei der Allianz sind eine enorme Summe. Die Ausschüttung dieser Reserven an ausscheidende Kunden bleibt umstritten. Lässt sich erkennen, ob die Allianz ihre Kunden angemessen daran beteiligt? Informiert sie darüber ausreichend?

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