Montag, 18. Juni 2018

Lebensversicherer Allianz und Ergo krempeln Garantiewelt um

Weniger Garantie, mehr Risiko: Im Kern werden sich neue Produkte der Lebensversicherer in diese Richtung entwickeln

Lebensversicherte fordern verstärkt lebenslange Zinsgarantien. Manche Anbieter würden sie am liebsten abschaffen. Im Juli bringen Allianz und Ergo neue Garantieprodukte auf den Markt. Ob sie sich damit einen Gefallen tun, ist zweifelhaft.

Hamburg - Die Bundesregierung hat ihr Versprechen zur Unantastbarkeit der Spareinlagen erneuert: "Es ist das Merkmal einer Garantie, dass sie gilt." Der Satz könnte auch von einem Lebensversicherer stammen, ist so aber nicht gemeint. Nein: Eine Zwangsabgabe wie in Zypern müssen Sparer hierzulande nicht fürchten, bemüht sich Berlin, die Sorge der Bürger zu entkräften.

Die Sorge, dass sich der Krisenvirus von Zypern aus wieder verbreitet und die EZB erneut die Feuerwehr spielen muss, kann immer wieder aufbrechen. Wie zu Wochenbeginn, als die Risikoaufschläge für Bonds aus Krisenländern in die Höhe schnellten und die Renditen zweijähriger deutscher Staatsanleihen wegen des Ansturms gar kurz unter 0 Prozent fielen.

Die Lage in Europa bleibt fragil, die Krise ist nicht ausgestanden, eine Pleite Zyperns nicht auszuschließen. Dass in diesem Umfeld die EZB die Zinsen anhebt - manche Experten fordern gar Zinssenkungen -, ist wenig wahrscheinlich. Auch deshalb, weil Notenbanken längst unter politische Zwänge geraten sind und ihre Geldpolitik eine billige Entschuldung der Staaten ermöglicht.

Verzicht auf die klassische, lebenslange Zinsgarantien

Lebensversicherer reagieren auf das anhaltende Zinstief mit stetig fallenden Gutschriften. 2013 rutschte die Gewinnbeteiligung im Schnitt auf 3,6 Prozent ab. Weil die Branche vielen älteren Kunden aber lebenslang 4 Prozent garantiert hat und sie ein Ende der Niedrigzinsen nicht erwartet, verzichten mittlerweile mehrere Anbieter im Neugeschäft auf die klassische, lebenslange Zinsgarantie. Sie bieten verstärkt fondsbasierte Produkte ohne oder mit flexiblen Garantien an. Kritiker bezweifeln deren Werthaltigkeit. Sie halten auch die Absicherung dieser Garantien für intransparent.

Dabei legen die Kunden mehr denn je Wert auf lebenslange Zinsgarantien und feste Rentenzusagen. Der Anteil der Policen mit klassischer Garantie kletterte zwischen 2008 und 2012 von 59 auf 76 Prozent. Zeitgleich rutschte der Anteil der Fondspolicen, die das Anlagerisiko großteils auf den Kunden abwälzen, von 41 auf 24 Prozent ab.

Ein klares Votum, möchte man meinen. Gleichwohl bereitet die Branche mit Hochdruck Produkte mit neuen Zinsgarantien vor. Im Juli wollen der Marktführer Allianz Leben und die Ergo damit auf den Markt kommen. Verbraucherschützer und Wissenschaftler verfolgen die Entwicklung mit Skepsis.

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