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25.01.2013
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Lebensversicherer
Jammern auf hohem Niveau

Von Lutz Reiche

Es gibt genug zu verteilen: Lebensversicherer erwirtschaften immer noch ordentliche Gewinne und verfügen über hohe Reserven, sagt Finanzexpertin und "Öko-Test"-Autorin Sternberger-Frey.
Corbis

Es gibt genug zu verteilen: Lebensversicherer erwirtschaften immer noch ordentliche Gewinne und verfügen über hohe Reserven, sagt Finanzexpertin und "Öko-Test"-Autorin Sternberger-Frey.

Die Lebensversicherer fahren seit Jahren steigende Gewinne ein und sitzen auf zweistelligen Milliardenreserven, sagt Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey. Zur Panik bestehe kein Grund. Pläne, die Unternehmen einseitig zu Lasten der Kunden zu stärken, lehnt sie entschieden ab.

mm: Frau Sternberger-Frey, Millionen Lebensversicherte bekommen es in diesen Tagen schriftlich. Die allermeisten Kunden müssen sich 2013 mit einer niedrigeren Verzinsung abfinden. Einmal mehr berufen sich die Anbieter auf erdrückend niedrige Kapitalmarktzinsen. Wie sehr leidet die Branche?

Sternberger-Frey: Das Klagen über Niedrigzinsen und zunehmende Regulierung vernehmen wir nun schon seit Jahren. Sicherlich hat die Branche zusehends Probleme, das Geld der Kunden gewinnbringend anzulegen. Sicherlich gibt es auch einzelne Anbieter, die stärker als andere ihre Reserven anzapfen müssen, um den Kunden etwas mehr als nur die garantierten Leistungen bieten zu können. Für mich ist das aber ein Jammern auf hohem Niveau. Denn der Branche geht es insgesamt gut.

mm: Die auf 3,6 Prozent abgesenkte durchschnittliche Verzinsung in diesem Jahr vermittelt einen anderen Eindruck. Woran machen Sie Ihre These fest?

Sternberger-Frey: Unsere jüngste Analyse von 70 Lebensversicherern für "Öko-Test" zeigt, die Unternehmen erwirtschaften auch in einer anhaltenden Niedrigzinsphase immer noch ordentliche Gewinne. Seit 2002 hat sich der Rohgewinn der Branche insgesamt auf rund 10,3 Milliarden Euro in 2011 nahezu verdoppelt. Von einer drohenden Notlage der Lebensversicherer, wie sie Ende vergangenen Jahres durch die Presse geisterte, kann also keine Rede sein. Die Branche kann ihre garantierten Zusagen jedenfalls noch lange erfüllen.

mm: Wie lange noch, wenn sichere, festverzinsliche Titel doch immer weniger abwerfen?

Sternberger-Frey: Richtig ist, dass die Erträge aus der Kapitalanlage tendenziell fallen. Im vergangenen Jahr erzielten die Lebensversicherer auch dank älterer Bonds aber immer noch eine Verzinsung von rund 4 Prozent im Schnitt. Frisches Geld konnten sie nach Analystenschätzungen für 3,3 Prozent anlegen. Das heißt, allein die Zinseinnahmen reichen allemal aus, um die garantierten Zusagen von 3,3 Prozent im Bestand zu erfüllen. Selbst wenn der Wiederanlagezins auf das mickrige Niveau von 1 Prozent fallen sollte, kann die Branche noch weit über das Jahr 2018 hinaus alle Garantien erfüllen. Zur Panik besteht also überhaupt kein Grund - und erst recht nicht zum Rückgriff auf das Geld der Kunden.

mm: Sie spielen auf die geplante Verordnung an, die der Vermittlungsausschuss des Bundestages in wenigen Tagen neu verhandeln wird. Laut Entwurf sollen Kunden künftig geringer an den Bewertungsreserven beteiligt werden. Um welche Summen geht es hier überhaupt?

Sternberger-Frey: Die von uns analysierten Unternehmen hatten Ende 2011 rund 41 Milliarden Euro an Bewertungsreserven in ihren Büchern stehen. Den ganz überragenden Anteil davon bilden die Bewertungsreserven auf festverzinsliche Papiere. Bis jetzt müssen die Versicherer ihre Kunden zur Hälfte an diesen Reserven beteiligen, die indes im vergangenen Jahr wegen des niedrigen Zinsniveaus noch erheblich gewachsen sein dürften. Grob gerechnet geht es also um mindestens 20 Milliarden Euro, die den Kunden zustehen. Das Bundesfinanzministerium geht aktuell sogar von 37 Milliarden Euro bis 2025 aus. Die neue Verordnung würde es den Unternehmen ermöglichen, davon einen Sicherungsbedarf als zusätzlichen Puffer einzubehalten. Diesen Bedarf können die Anbieter aufgrund der Zinsformel zum Gesetz aber so aufblähen, dass die Kunden schlimmstenfalls keinen Cent dieser Bewertungsreserven erhielten.

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Zur Person

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    Barbara Sternberger-Frey analysiert Finanzprodukte, ist Fachbuchautorin und arbeitet seit Jahren unter anderem für "Öko-Test", Verbraucherzentralen und Gewerkschaften.









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