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11.01.2013
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Keine Transparenz
PKV langt bei Unisex-Tarifen kräftig zu

Von Lutz Reiche

Geschlechtsneutral: Versicherer dürfen nicht mehr zwischen spezifischen Risiken von Männern und Frauen unterscheiden.
Corbis

Geschlechtsneutral: Versicherer dürfen nicht mehr zwischen spezifischen Risiken von Männern und Frauen unterscheiden.

Seit gut drei Wochen gelten die neuen Unisex-Tarife. Jetzt sehen Verbraucherschützer ihre Befürchtungen bestätigt: Es wird nicht billiger, sondern insgesamt teurer. In der PKV etwa zahlen Männer 100 Euro monatlich mehr - und auch Frauen zahlen wider Erwarten drauf.

Hamburg - Die Versicherung für das eine Geschlecht etwas teurer und für das andere entsprechend günstiger? Wer glaubte, die neuen Unisex-Tarife in der Assekuranz würden zum Nullsummenspiel, sieht sich arg getäuscht.

"Die neuen Tarife werden eklatant und krass zu Lasten der Versicherten umgesetzt", sagt der Vorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein. Die Entwicklung zeige, dass die Versicherungen die Beiträge auch erhöhten, um die Gewinne zu steigern.

Besonders eklatant ist das Problem aus Sicht der Verbraucherschützer offenbar in der privaten Krankenversicherungen, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Demnach hätten die neuen Tarife laut Analysten von Morgen & Morgen die private Krankenversicherung für 30- bis 40-jährige Männer um rund 100 Euro pro Monat verteuert, während die Kosten für Frauen nicht sanken. Im Gegenteil: Für über 40-Jährige stiegen die Prämien demnach sogar um sieben Euro monatlich.

Seit 21. Dezember 2012 darf es beim Abschluss eines neuen Versicherungsvertrags keine Tarife mehr geben, die nach Geschlecht unterscheiden. Hintergrund für die neuen Unisex-Policen ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom März 2011. Die Luxemburger Richter entschieden, dass die Berücksichtigung des Geschlechts als Risikomerkmal für Versicherungsbeiträge diskriminierend und deswegen ungültig ist.

Die Branche hatte bis zum 21. Dezember Zeit für die Umstellung. Dass die Versicherer die Beiträge im Schnitt deutlich anheben würden, hatte sich bereits im Sommer vergangenen Jahres durch erste Umfragen unter Versicherern abgezeichnet.

Entwicklung hatte sich abgezeichnet - Bafin prüft Tarife nicht

Risikolebensversicherungen für Frauen zum Beispiel sollten sich demnach um bis zu 55 Prozent verteuern, ohne dass die Anbieter die Tarife entsprechend für Männer senken würden. Bei Pflegeversicherungen wiederum sollten für Männer die Kosten um bis zu 40 Prozent klettern, für Frauen aber bestenfalls um bis zu 24 Prozent sinken.

Und der Bund der Versicherten äußerte schon vor Monaten die Befürchtung, dass die Versicherer die Umstellung auf geschlechtsneutrale Tarife dazu nutzen würden, um ihre teils desolate Ertragslage aufzubessern.

Versicherer selbst weisen diesen Verdacht zurück. Sie begründen die im Schnitt deutlich gestiegenen Preise mit der Annahme, dass mehr Männer und Frauen Unisex-Tarife kaufen werden, die in der alten Tarifwelt das jeweils größere Risiko darstellen und dafür bislang höhere Beiträge als im künftigen Unisex-Tarif zahlen. Die Entscheidung Geld zu sparen, könnte demnach zu Wanderungsbewegungen von Versicherten führen.

Dies zwinge die Anbieter gerade bei lang laufenden Verträgen zu einer vorsichtigen Kalkulation, was die Preise auch im Unisex-Tarif zwangsläufig nach oben treibe, argumentieren sie. Vor allem in der privaten Krankenversicherung müssten die Preise im Schnitt deutlich anziehen, weil die Tarifunterschiede zwischen den Geschlechtern hier bislang besonders groß waren. So zahlten Frauen in der PKV allein wegen ihres Geschlechts und der Tatsache, dass sie öfter zum Arzt gehen, rund 30 Prozent mehr als Männer.

Das Dilemma: Niemand überprüft diese Argumentation auf Plausibilität. Auch geben die Versicherer ihre Kalkulationsgrundlagen nicht preis. Die Versicherungsaufsicht prüft lediglich, ob Prämien auskömmlich kalkuliert sind, aber nicht, ob Anbieter sie zu hoch veranschlagen, wie ein Sprecher der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin gegenüber manager magazin online erklärt.

Die EU-Kommission will die Einführung der Unisex-Tarife aber weiter genau im Blick behalten, heißt es aus Brüssel.

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