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28.12.2012
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Altersvorsorge
Die 50-Milliarden-Euro-Frage

Von Lutz Reiche

Weg ist das Geld: Nach einer Studie des Bamberger Finanzwissenschaftlers Andreas Oehler erleiden Vorsorgesparer jedes Jahr einen Schaden von 50 Milliarden Euro
Corbis

Weg ist das Geld: Nach einer Studie des Bamberger Finanzwissenschaftlers Andreas Oehler erleiden Vorsorgesparer jedes Jahr einen Schaden von 50 Milliarden Euro

2. Teil: Sind die Verluste viel geringer?

Die neuen Berechnungen Oehlers basieren ebenfalls auf den alten Vertragsbeständen der Verbraucherzentrale Hamburg. Mit einem Unterschied: Der Finanzexperte legt, wie er behauptet, nun die Daten des GDV und von Map-Report an. In seinen Hochrechnungen kommt Oehler selbst bei einer Stornoquote von 4 Prozent auf einen Schaden von 16 Milliarden Euro jährlich.

Doch auch die neuen Rechnungen sorgen für Kritik. Zum einen hält der GDV die Auswahl von 1115 Verträgen nicht für repräsentativ, da es sich ausschließlich um Beschwerdefälle handelte. Zum anderen sei der unterstellte Rückkaufswert von 4200 Euro je Vertrag gemessen an den tatsächlichen, durchschnittlichen Versicherungssummen "absolut unrealistisch", kritisiert der GDV. So liege die einmalig einkalkulierte Abschlussprovision bei Policen mit 25 Jahren Laufzeit und 100 Euro Monatsbeitrag für gewöhnlich bei 1200 Euro.

Zudem berücksichtige das Gros der Verträge Oehlers, die seinen Hochrechnungen zugrunde liegen, nicht die neue Rechtslage. Denn mit der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes im Jahr 2008 erhalten Kunden in den ersten fünf Jahren der Laufzeit deutlich höhere Rückkaufswerte als bei den Daten des Wissenschaftlers unterstellt. "Der Untersuchung liegen so viele offenkundig falsche Annahmen zugrunde, dass ihre erneute Veröffentlichung wirklich erstaunen muss", ärgert sich GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Ungewohnten Zuspruch erntet der GDV vom Bund der Versicherten. "Ich kann verstehen, dass sich der Lobbyverband beschwert, da zum Beispiel die aktuellen Stornozahlen mit 3,6 Prozent pro Jahr tatsächlich geringer sind als die von Oehler aus der Vergangenheit angenommenen Werte", sagt BdV-Chef Axel Kleinlein. Der GDV beklage daher zurecht, dass Oehler in seinen Berechnungen die Ergebnisse überschätze. Viel weiter reicht der Schulterschluss aber nicht.

GDV taxiert Schaden für Lebensversicherte auf eine Milliarde Euro

So hatte der GDV bereits im März 2012 zur ersten Studie Oehlers vorgerechnet, dass der Wissenschaftler den Schaden um das 16fache überschätze. "Damit bestätigt der GDV also einen jährlichen Schaden von nur einer Milliarde Euro durch Fehl- und Falschberatung als plausibel", folgert Kleinlein.

Doch auch dieser eingeräumte Wert sei alarmierend. "Die Versicherungswirtschaft sollte endlich beginnen, Lösungen für das Problem der Falschberatung anzubieten, anstatt sich in akademischen Streitereien um Milliardenbeträge zu verkämpfen", fordert der BdV-Vorsitzende.

Der Streit um die Altersvorsorge ist nun aber auch akademischer Natur. Dieser erhält um so mehr Gewicht, als aus den widerstreitenden Expertenmeinungen ja durchaus politische Forderungen abgeleitet und Verbraucher in ihrem Verhalten beeinflusst werden können.

So erhebt auch Versicherungswissenschaftler Weinmann Einwände gegen die neue Studie Oehlers. Zwischen den Zeilen lässt er durchblicken, dass der Bamberger Kollege das Geschäftsmodell einer Lebensversicherung nicht richtig verstanden haben könne. So sei es eine zentrale Aufgabe dieser Branche, Risiken des Versicherten zu übernehmen. Etwa für den Todesfall, in dem erhebliche Summen an die Hinterbliebenen fließen können. Auch garantieren die meisten Verträge eine lebenslange Rente.

Problematisch findet Weinmann daher, dass Oehler den Abschluss von Kapitallebens- und Rentenversicherungen erneut mit der kostenfreien Anlage in Bundeswertpapieren vergleicht, ohne eine Korrektur für den Risikobeitrag und die Betriebskosten eines Versicherers vorzunehmen.

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