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14.11.2012
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Altersvorsorge
Die große Lebensverunsicherung

Von Lutz Reiche, Berlin

Nachgezählt: Die Vertragsrenditen der Lebensversicherer sinken von Jahr zu Jahr - Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen, um die Kunden zu halten
Corbis

Nachgezählt: Die Vertragsrenditen der Lebensversicherer sinken von Jahr zu Jahr - Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen, um die Kunden zu halten

Die Lebensversicherung steht im Feuer wie schon lange nicht mehr. Die Zweifel der Versicherten wachsen, das Geschäftsmodell wankt. Der Lobbyverband GDV steuert wortreich dagegen. Die Zahlen aber überzeugen nicht.

Berlin - Ein düsteres Gewitter war in den vergangenen Tagen über die Lebensversicherer niedergegangen. Für "das schwächste Fünftel" der Anbieter bestünden bei anhaltend niedrigen Zinsen "erhebliche Gefahren". Einzelne Unternehmen könnten schon bald den Garantiezins nicht mehr in voller Höhe zahlen, wird im Finanzministerium spekuliert. Selbiges erwäge eine weitere Absenkung der garantierten Zusagen, berichteten Medien.

Das Dementi der Branche folgte prompt. Doch ihre Probleme kann das nicht wegwischen. Der Regulierungsdruck steigt, die Kritik an versteckten Kosten reißt nicht ab, die Vertragsrenditen sinken Jahr für Jahr.

Immer mehr Anbieter flüchten sich in neue Produkte, die auf den lebenslangen Garantiezins verzichten - in Produkte, die kein Verbraucher versteht, die er nicht will, schon gar nicht in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, wie auch Zahlen des Branchenverbandes GDV zeigen.

Eine große Lebensverunsicherung macht sich breit. Bei Unternehmen, weil ihnen das über Jahrzehnte eingeübte Geschäftsmodell allmählich entgleitet und weil sie (noch) keine überzeugende Idee für eine neues haben. Bei den Kunden, weil sie sich mit ihrer Lebensversicherung bislang gegen drohende Altersmut gewappnet fühlten, diese Sicherheit jetzt aber schwindet. Eine Lebensversicherung kann die besagte "Rentenlücke" nicht mehr ausgleichen.

Negativschlagzeilen über den Zustand der Lebensversicherung, von denen jeder Deutsche rechnerisch mindestens eine besitzt, rütteln die Menschen hierzulande daher kräftig auf. 70 Prozent der Verbraucher würden heute keine Lebensversicherung mehr kaufen, legte die "BAMS" jetzt nach.

"Kunden sollten nicht vorschnell kündigen"

Düsterste Stimmung also. Da fühlte sich gestern selbst der schärfste Branchenkritiker berufen, die Versicherten vor Kurzschlusshandlungen zu warnen. "Momentan steht kein Unternehmen mit dem Rücken zur Wand. Die Garantieverzinsung ist sicher. Kunden sollten ihre Verträge nicht vorschnell kündigen oder umdecken", warnte Axel Kleinlein, Chef vom Bund der Versicherten.

Auch GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen versuchte am Mittwoch in Berlin die Wogen zu glätten. An seinem letzten Arbeitstag in dieser Funktion widersprach er der These des drohenden Infarktrisikos von einem Fünftel der Anbieter entschieden.

Die Kapitalanlagen der Lebensversicherer werden laut GDV in diesem Jahr durchschnittlich rund rund 4 Prozent abwerfen. Auch mit ihren Neuanlagen würden die Unternehmen voraussichtlich eine Rendite über dem Garantiezins erzielen - im Branchenschnitt liegt er bei 3,2 Prozent.

"Deswegen sind Sorgen, dass die Lebensversicherer ihre garantierten Leistungen kurz- und mittelfristig nicht mehr erbringen können, unbegründet", betonte Hoenen. Zudem hätten die Lebensversicherer frühzeitig reagiert und die Restlaufzeit ihrer Kapitalanlagen erstmalig auf nun mehr als zehn Jahre ausgeweitet. Die Niedrigzinsphase bleibe aber eine "ernsthafte Herausforderung" für die Unternehmen und eine Belastungsprobe für die Altersvorsorge, so Hoenen.

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