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14.11.2012
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Altersvorsorge
Die große Lebensverunsicherung

Von Lutz Reiche, Berlin

Nachgezählt: Die Vertragsrenditen der Lebensversicherer sinken von Jahr zu Jahr - Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen, um die Kunden zu halten
Corbis

Nachgezählt: Die Vertragsrenditen der Lebensversicherer sinken von Jahr zu Jahr - Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen, um die Kunden zu halten

2. Teil: Gutschrift an Kunden wird sinken - Riester-Rente stürzt ab

Formulierungen wie die letzte könnten Zweifel aufkommen lassen. Zweifel sind im aktuellen Klima aber nicht gut. Nicht für die Stimmung, nicht fürs Geschäft. So sah sich GDV-Funktionär Heinen zu der Aussage veranlasst: "Die Lebensversicherung ist auch langfristig sicher." Die Branche könne "dauerhaft" ein niedriges Zinsniveau aushalten.

"Dauerhaft" ist in diesem Kontext natürlich eine gewichtige Einschätzung, deren Richtigkeit niemand beweisen kann, wohl auch Heinen nicht. Und um weiteren Fragen zuvor zu kommen, schloss er flapsig an: "Es macht jetzt gar keinen Sinn darüber zu spekulieren, welche Folgen 70 Jahre Negativzinsen für die Branche haben könnten."

Um die garantierten Ansprüche der Kunden auch künftig erfüllen zu können, werden die Lebensversicherer ihre Reserven weiter erhöhen. Genauer gesagt: Wegen der vielen Verträge mit 4 Prozent Garantiezins im Bestand sind sie dazu verpflichtet. So wird sich die Zinszusatzreserve in diesem Jahr mit zusätzlichen fünf Milliarden Euro mehr als verdreifachen. Für 2013 rechnet der GDV mit weiteren fünf Milliarden Euro. Überschüsse, die zur Garantiesicherung benötigt werden, stehen für die nächste laufende Überschussbeteiligung nicht zur Verfügung.

"Deshalb sind wir realistisch: Ein anhaltend niedriges Zinsniveau wird zwingend auf die Gesamtverzinsung drücken", bereitete der scheidende GDV-Präsident die Lebensversicherten auf weitere Einschnitte bei der Überschussbeteiligung vor. Eine Prognose für das kommende Jahr wagte Hoenen aber nicht.

Beitragseinnahmen weiter rückläufig - Riester stürzt ab

So wie die Vertragsrenditen erodieren, fallen die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer weiter zurück. Verbuchte die Branche in 2011 ein Beitragsminus von 3,9 Prozent, wird das Minus mit 0,7 Prozent in diesem Jahr noch vergleichsweise moderat ausfallen. Das liegt primär an den umstrittenen, hohen Einmalbeiträgen, die Kunden kurzfristig entschlossen in einen Vertrag einzahlen. Das Minus fällt hier mit 5 Prozent überraschend niedriger aus als im Vorjahr (minus 15 Prozent). Das Geschäft gegen laufenden Monatsbeitrag, das eigentliche Kerngeschäft der Lebensversicherer, stagniert: Das magere Plus von 1 Prozent in 2011 wird sich in diesem Jahr voraussichtlich halbieren.

Dabei gestaltet sich das Neugeschäft immer schwieriger: Die Zahl neuer Verträge fällt in diesem Jahr um 9,6 Prozent auf sechs Millionen zurück. Der Beitrag aus neuen Verträgen rutscht um mehr als 5 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro ab, schätzt der GDV.

Stärker noch zeigt sich die Verunsicherung der Kunden bei der Riester-Rente. Hier erwartet der GDV in diesem Jahr einen dramatischen Einbruch von 34 Prozent auf 620.000 verkaufte Policen. Die Schuld für diese Entwicklung vor allem bei den Verbraucherschützern und Medien zu suchen, die das Produkt "mit zum Teil haarsträubenden Behauptungen systematisch diskreditiert" hätten, diese Kritik des GDV-Präsidenten greift zu kurz. Auch Experten jenseits der Verbraucherschutzes monieren schon länger, dass die Transparenz der Riester-Rente stark zu wünschen lässt.

Fast ein Fünftel der Riester-Sparer lassen ihre Verträge ruhen, zahlen dafür keine Beiträge mehr. Dass sie dies auch aus Enttäuschung über schwache Renditen und mangelnde Transparenz tun, dieser Gedanke liegt GDV-Funktionär Norbert Heinen fern. "Ich bin nicht berunruhigt, dass hier etwas schief läuft bei der Riester-Rente", sagte Heinen.

Vielleicht irrt der Mann? Die Allianz wird sich noch im Dezember vor dem Landgericht Stuttgart dafür verantworten müssen, dass sie Geringverdiener nur im Kleingedruckten darüber informiert, dass sie diese nicht an den Kostenüberschüssen beteiligt - Gutverdiener, die mehr in ihren Vertrag einzahlen können, aber gleichwohl. Dass sich Kunden hier zutiefst verunsichert von dem Produkt abwenden, liegt auf der Hand.

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