Versicherungswirtschaftmanager magazin RSS  - Versicherungswirtschaft

Alle Artikel und Hintergründe


14.11.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Lebensversicherungen
"Dann sind Insolvenzen unumgänglich"

Von Lutz Reiche

Was bleibt: Mit dem sinkenden Garantiezins sinkt auch die Attraktivität der Lebensversicherung - doch die Branche hat verschiedene Möglichkeiten, um für langfristig orientierte Geldanleger interessant zu bleiben
Corbis

Was bleibt: Mit dem sinkenden Garantiezins sinkt auch die Attraktivität der Lebensversicherung - doch die Branche hat verschiedene Möglichkeiten, um für langfristig orientierte Geldanleger interessant zu bleiben

Niedrigzinsen setzen Lebensversicherern zu - viele Deutsche wenden sich von ihrem einstigen Lieblingsprodukt ab. Die Assekuranz muss Vertrauen zurückgewinnen, sagt Experte Hermann Weinmann: Sie muss Abschlusskosten deckeln, besser informieren und sich auf keinen Fall in spekulative Investments treiben lassen.

mm: Herr Weinmann, Indiskretionen aus dem Finanzministerium verunsichern Lebensversicherte seit einer Woche zutiefst. Für das "schwächste Fünftel" der Anbieter sähe man ab 2018 "erhebliche Risiken", wenn die Niedrigzinsen anhalten. Ist die Gefahr wirklich so groß?

Weinmann: Wir reden über 2018 und das "schwächste Fünftel". Ich habe dieses Jahr die zwölf größten Lebensversicherer untersucht und bin gerade fertig mit den sechs größten Versicherungsvereinen. Ja, einige wenige Versicherer müssen kämpfen. Sie tun dies, auch mit harten Bandagen gegenüber der Belegschaft. Andere Lebensversicherer sind wiederum "bärenstark".

mm: Müssen sich Versicherte aktuell Sorgen machen?

Weinmann: Die Aufsichtsbehörde Bafin hat einen Zeitpuffer. Aber die Gefahr wird ohne Abschlag auf heute verlagert, und das Finanzministerium diskutiert lieber das Jahr 2018, als dass es dafür sorgt, dass die Spitze der Versicherungsaufsicht adäquat besetzt wird.

mm: Wie eine lange Niedrigzinsphase die Assekuranz belasten kann, hat die Pleitewelle unter japanischen Versicherern gezeigt. Müssen wir uns auf japanische Verhältnisse einstellen?

Weinmann: Ich kenne die Historie des japanischen Versicherungsmarkts zu wenig. Tatsache ist, dass die Niedrigszinsphase nicht ewig dauern kann. Entscheidend ist für mich der Rechnungszins, den die Lebensversicherer erwirtschaften müssen. Dies sind für heutige Vertragsabschlüsse 1,75 Prozent. Probleme bereiten die Altverträge mit einem Garantiezins von bis zu 4 Prozent, weil die Verpflichtung auf der Passivseite länger ist als die Altanlagen auf der Aktivseite. Wir reden deshalb über die Anlagepolitik, und wenn ich lese, dass einzelne Versicherer in der Neuanlage bis zu 4 Prozent Rendite erzielen, dann zeigt dies, dass der Anlagemarkt auch in diesen Zeiten Chancen auf eine risikoadäquate Rendite bietet und wir uns nicht zu sehr sorgen sollten.

mm: Dennoch hält sich das Gerücht, dass erste Anbieter angeblich erwägen, bei der Finanzaufsicht die zeitweise Aussetzung der garantierten Zinszahlungen an ihre Kunden zu beantragen. Faktisch ist dies laut Bafin gar nicht möglich. Sehen Sie Anzeichen von Hysterie in der öffentlichen Diskussion?

Weinmann: Diese öffentliche Diskussion ist für mich nicht Hysterie, sondern ist aus Unbedarftheit losgetreten worden und deshalb so gefährlich, weil sie der normale Versicherungsnehmer nicht verstehen kann. Auch sehe ich den Versuch, eine ungeliebte und ungelenke Branche, die unbestritten Schwierigkeiten mit der Öffentlichkeit hat, vor sich herzutreiben. Inwieweit einzelne Versicherer ernsthafte Probleme haben, kann nur die Aufsichtsbehörde aufgrund ihres Informationsvorsprungs angemessen beurteilen. Ich persönlich würde mir mehr öffentlich zugängliche Information, d. h. mehr Aufschlüsselung in der Geschäftsberichterstattung, und einige Neuregelungen wünschen.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Zur Person

Hermann Weinmann ist Professor für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein









Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger