Montag, 22. Januar 2018

Rückversicherer Hannover Rück hängt die Latte hoch

Erdbeben in Neuseeland: Im Vergleich zu 2011 hat die Hannover Rück deutlich weniger Schäden zu beklagen. Entwarnung ist aber nicht angezeigt. Die Allianz etwa rechnet mit einer starken Zunahme der Schäden durch Naturkatastrophen

Die Hannover Rück strotzt vor Kraft. Die Begehrlichkeiten bei Erstversicherern und Aktionären werden steigen. Viel Hoffnung auf fallende Prämien oder höhere Dividenden sollten sie sich aber nicht machen, denn das Umfeld bleibt unsicher. Nun ist die Munich Re am Zug.

Hamburg - Das Ergebnis mehr als verdoppelt, die Prognose erhöht - derzeit läuft es hervorragend für die Hannover Rück. Die weltweite Nummer drei der Branche steuert auf Rekordkurs, und auch der Wirbelsturm "Sandy" wird wohl nichts daran ändern.

Selbstbewusst zeigte sich der Vorstand zugleich für das kommende Jahr: 800 Millionen Euro Nettogewinn seien auch 2013 drin. Nicht nur an der Börse kamen die Nachrichten am Dienstag gut an.

An der Bilanz gäbe schlicht nichts zu mäkeln, erklärten Analysten. Selbst das berüchtigte "Haar in der Suppe" schien sich nicht zu finden. "Das sehe ich schlicht nicht", sagte Fabrizio Croce von Kepler Capital Markets.

Dass das Jahr 2012 für die Rückversicherer angesichts der geringen Schadensbelastung gut laufen wird, hatte sich bereits in Vorquartalen abgezeichnet. "Es ist ein sensationell gutes, es ist das Drachenjahr der Rückversicherer", so Croce. Davon profitiere auch die Hannover Rück, deren Reserveüberschüsse aktuell auf mindestens 1,1 Milliarden Euro angewachsen sein dürften.

Das schafft Begehrlichkeiten. Zum einen bei den Erstversicherern: Nach dem Katastrophenjahr 2011 mussten sie deutliche Prämiensteigerungen hinnehmen und dürften in der Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2013 jetzt weitere nur im Ausnahmefall akzeptieren. Zum anderen bei den Aktionären, schließlich wird der Reingewinn deutlich höher ausfallen als erwartet.

Niedrigere Prämien und höhere Dividende vorerst nicht in Sicht

Vorstandschef Ulrich Wallin machte den Erstversicherern aber wenig Hoffnung auf fallende Prämien und wiederholte damit seinen von der Münchener Rück abweichenden Standpunkt. Auch mit Blick auf die Dividende wollte sich der Manager nicht festlegen. Sollte die Eigenkapitaldecke zu dick werden, könnte der Konzern etwas mehr als die üblichen 35 bis 40 Prozent des Überschusses an die Aktionäre ausschütten, deutete er lediglich an. Die Entscheidung dazu soll am Jahresende fallen.

Für 2011 hatte der Konzern eine um 20 Cents abgesenkte Dividende von 2,10 Euro gezahlt. Sicherlich könnte die Hannover Rück ihre Reserven weiter erhöhen, sie sollte es aber nicht, ist so mancher Experte überzeugt. Verlaufe die Schadensentwicklung normal, könnte der Konzern von seinen angehäuften Reserven die kommenden zwei Jahre ohne Nachteile für das Geschäft zehren, glaubt Analyst Croce und schlägt eine Dividende von 2,50 Euro für das laufende Geschäftsjahr vor.

Im Gegensatz zur Munich Re Börsen-Chart zeigen hatten die Hannoveraner die Dividende seit 2001 schon dreimal komplett streichen müssen, auch weil ihre Ergebnisse volatiler sind. Die guten Zahlen werden sich daher auch an jenen der Wettbewerber Münchener Rück und Swiss Re messen lassen müssen, die in den kommenden Tagen ebenfalls über das abgelaufene Quartal berichten.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH