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30.08.2012
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Altersvorsorge
Regierung kann Riester-Rente kaum retten

Von Lutz Reiche

Ursula von der Leyen: Die Ministerin will Riester-Sparer finanziell künftig besser stellen. Doch Versicherer finden immer neue Wege des "Abkassierens", behauptet eine Studie von Öko-Test
dapd

Ursula von der Leyen: Die Ministerin will Riester-Sparer finanziell künftig besser stellen. Doch Versicherer finden immer neue Wege des "Abkassierens", behauptet eine Studie von Öko-Test

Ministerin von der Leyen will Riester-Sparer künftig stärker an den Gewinnen beteiligen. Das wird ihre Lage nicht wirklich bessern. Denn Versicherer drehen an der Kostenschraube, degradieren staatliche Zulagen allmählich zur Farce und drücken die Rendite in den Keller.

Hamburg - Bundesministerin Ursula von der Leyen will Millionen Riester-Sparer in Deutschland besser stellen. So soll zum Beispiel ein neues Informationsblatt die Produkte transparenter machen und ein 150-Euro-Kostendeckel den Wechsel des Anbieters erleichtern. Wichtiger noch: Die Ministerin will Kunden stärker an den Risikogewinnen der Anbieter beteiligen - statt 75 sollen ihnen künftig 90 Prozent dieser Gewinne zustehen.

Insbesondere beim letzten Punkt wird die Ministerin auf harten Widerstand der politisch gut vernetzten Branche stoßen. Denn die Risikoüberschüsse nehmen angesichts niedriger Kapitalmarktzinsen eine immer wichtigere Bedeutung ein. Nach Daten der Finanzaufsicht waren sie mit 6,46 Milliarden Euro zuletzt fast genauso hoch wie die Überschüsse aus den Kapitalanlagen der Lebensversicherer. Verbleiben davon 15 Prozent weniger in den Konzernkassen, ist das nicht unerheblich. Vor allem bei Aktiengesellschaften oder Töchtern von börsennotierten Versicherern ist der Verteilungskampf um die Gewinne zwischen den Lebensversicherten und den Eignern des Unternehmens längst im Gange.

Manche Experten meinen, ohnehin stehen die Risikoüberschüsse dem Kunden ganz zu. Schließlich stammen sie aus seinen Beiträgen und entstehen nur deshalb, weil viele Rentner das vom Versicherer mitunter biblisch hoch kalkulierte Lebensalter nicht erreichen.

Sollte sich von der Leyen mit ihren Plänen durchsetzen, könnte sich in der als latent intransparent und renditeschwach kritisierten Riester-Rente einiges zum Besseren wenden. Die Botschaft hören unabhängige Experten wohl, allein ihnen fehlt der Glaube.

Öko-Test: Neue Kostenklauseln helfen, Gewinne zu verschieben

"An der Abzocke wird sich wohl nichts ändern", sagt Barbara Sternberger-Frey von "Öko-Test". Das hätten bereits die Reformen der vergangenen Jahre gezeigt. Werde dem "Trend zum Abkassieren" an einer Stelle ein Riegel vorgeschoben, entdeckten die Anbieter einen neuen Trick, zeigt sich die Expertin skeptisch. So habe die Branche längst eine neue Methode gefunden, um mehr vom Gesamtgewinn für sich abzuzweigen.

Zum Beispiel stellten die Allianz oder die R+V dem Kunden neuerdings Kosten auf das angesparte Guthaben (Deckungskapital) in Rechnung, beklagt Sternberger-Frey. Oft seien dies nur kleine Beträge im Jahr, die sich über die gesamte Vertragslaufzeit eingedenk des Zinseszinseffektes aber zu tausenden Euro summieren könnten. Der "Trick" an diesen neuen Kostenklauseln: Ein Teil des Zinsgewinns wird so in einen Kostengewinn umgewidmet. Vom Kostengewinn kann der Anbieter ganz legal 50 Prozent für sich behalten, vom Zinsgewinn lediglich 10 Prozent.

Ein Kunde kann die Tragweite dieser und anderer Kostenklauseln kaum einschätzen. Und das Verwirrspiel um die Rendite fressenden Kosten in der Riester-Rente geht offenbar trotz aller Kritik weiter. Kein Anbieter weise die tatsächlichen Gesamtkosten einer Police aus, schreibt "Öko-Test" in seiner jüngsten Studie. Sternberger-Frey hat dafür 168 aktuelle Riester-Angebote - 89 klassische, 79 fondsgebundene Policen - von 42 Versicherern und auch deren Garantiemodell analysiert.

"Die Kostenangaben sind eine Katastrophe", sagt die Expertin. Vielfach verteilten Versicherer einzelne Kostenbestandteile auf zig verschiedene Bezugsgrößen, so dass kein Kunde sie addieren oder nachrechnen könne. Das Ganze folge dem Prinzip: "Verschleiern, verschweigen verwirren, Kontrolle verhindern." Wohl aus gutem Grund.

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