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27.08.2012
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Unisex-Tarife
Der horrende Preis der Gleichmacherei

Von Lutz Reiche

Der Unterschied soll verwischen: Unisex-Tarife kommen die Versicherten ab Dezember teuer zu stehen
DPA

Der Unterschied soll verwischen: Unisex-Tarife kommen die Versicherten ab Dezember teuer zu stehen

Unisex kommt, und für die Kunden wird es teuer. Die Pflicht zu geschlechtsneutralen Tarifen nutzen große Anbieter weitgehend unkontrolliert zu satten Prämienaufschlägen. Für Frauen steigen die Kosten um bis zu 55 Prozent, vereinzelt sogar noch höher. Männer zahlen bis zu 40 Prozent mehr.

Hamburg - Wer bislang glaubt, die per Gericht verordnete Geschlechterparität in der Versicherungswelt ist ein Nullsummenspiel, wird sich spätestens ab 21. Dezember verwundert die Augen reiben. Die Risikolebensversicherung für Frauen ein paar Prozent teurer und für Männer entsprechend günstiger? Nein, so kalkulieren die Strategen in den Assekuranz-Zentralen nicht. Viele Anbieter nutzen die Umstellung auf Unisex-Tarife offenbar zu ihren Gunsten, schrauben den Preis der Gleichheit im Schnitt deutlich nach oben und versuchen damit, ihre teils desolate Ertragslage zu verbessern.

"Finanztest" hat für seine aktuelle Ausgabe 20 große Versicherer befragt, elf haben geantwortet. Demnach verteuert sich die Risikolebensversicherung für Frauen zwischen 16 und 55 Prozent. Ein Anbieter zum Beispiel verlangt für eine Risikopolice aktuell 250 Euro Jahresbeitrag, nach dem 20. Dezember kostet der gleiche Tarif 388 Euro für die Frau. Insider berichten gegenüber manager magazin online, dass einzelne Versicherer die Risikopolicen für Frauen sogar um bis zu 70 Prozent verteuern.

Diese Beitragsexplosion in der Unisex-Welt ist zum Teil schon harter Tobak, denn umgekehrt bleibt die Beitragssenkung für das jeweils andere Geschlecht deutlich hinter den Beitragssteigerungen zurück.

So sinkt in der Risikolebensversicherung für Männer der Preis höchstens um 22 Prozent. Dafür zahlen sie laut "Finanztest" künftig erheblich mehr für Berufsunfähigkeitspolicen (bis zu 35 Prozent), private Rentenversicherungen (bis zu 10 Prozent) und die Rürup-Rente (bis zu 10 Prozent). Umgekehrt wiederum fallen bei diesen Produkten die Tarife für Frauen maximal um 6 Prozent.

Versicherungsaufsicht prüft nur in die eine Richtung

Das Dilemma: Die Versicherungsaufsicht Bafin prüft lediglich, ob Prämien auskömmlich kalkuliert sind, aber nicht, ob Anbieter sie zu hoch veranschlagen. "Eine anderweitige Preiskontrolle steht der Bafin nicht zu", erklärt ein Sprecher auf Anfrage.

Die kräftigsten Preissprünge müssen Männer hinnehmen, wenn sie sich nach dem Stichtag eine Pflegeversicherung kaufen. Hier schlagen die Anbieter bis zu 40 Prozent drauf; für Frauen wird es bestenfalls um 24 Prozent günstiger, teilten die Versicherer den Testern mit.

Dieser Befund weicht deutlich von ersten Verbraucherschützer-Schätzungen ab, die niedrigere Tarifsteigerungen für das jeweils andere Geschlecht erwartet haben. "Im Grunde könnten sich beide Geschlechter diskriminiert fühlen", sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV). Bei Unisex-Renten gehe es künftig Männern schlechter, bei Risikolebensversicherungen lägen die Nachteile auf Seiten der Frauen. "Was tatsächlich gerecht ist, das steht auf einem anderen Blatt."

Dabei waren die Richter des Europäischen Gerichtshofes angetreten, die aus ihrer Sicht bestehende Diskriminierung des Geschlechts in der Tarifkalkulation zu unterbinden. So zahlen Frauen in der privaten Krankenversicherung allein wegen ihres Geschlechts derzeit gut 30 Prozent mehr als Männer. Was Versicherer als selbstverständlich erachten, weil Frauen statistisch öfter zum Arzt gehen, sei mit der Grundrechtecharta der Europäischen Union unvereinbar, argumentieren dagegen die Richter.

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