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10.08.2012
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Gleiche Tarife
"Unisex wird die Konzerngewinne erhöhen"

Von Lutz Reiche

Das Geschlecht darf bei Versicherungen keine Rolle mehr spielen, so der Europäische Gerichtshof. Eine Folge: Renten der Männer werden sinken
Corbis

Das Geschlecht darf bei Versicherungen keine Rolle mehr spielen, so der Europäische Gerichtshof. Eine Folge: Renten der Männer werden sinken

Die Rechner der Versicherer glühen. Sie dürfen nicht mehr zwischen Risiken von Männern und Frauen unterscheiden, Unisex-Policen werden zur Pflicht. Damit wird Versicherungsschutz im Schnitt teurer, aber nicht gerechter, sagt Experte Axel Kleinlein. Er warnt vor Lockangeboten und "Umtauschgarantien".

mm: Herr Kleinlein, in wenigen Monaten dürfen Versicherer bei der Beitragskalkulation nicht mehr zwischen spezifischen Risiken von Mann und Frau unterscheiden. Mancher sieht darin eine "offene Männerdiskriminierung". Stimmen Sie der These als Mann und Versicherungsmathematiker zu?

Kleinlein: Ja und Nein, im Grunde könnten sich beide Geschlechter diskriminiert fühlen. Bei Unisex-Renten geht es zukünftig den Männern schlechter, bei Risikolebensversicherungen wiederum sind im Vergleich zu heutigen Tarifen die Nachteile auf Seiten der Frauen. Was tatsächlich gerecht ist, das steht dann aber auf einem anderen Blatt.

mm: Mathematische Abteilungen der Versicherer arbeiten aktuell mit Hochdruck an neuen Unisex-Tarifen. Werden wir überall gleiche Beitragsreaktionen sehen?

Kleinlein: Einen Automatismus, der bei Unisex-Tarifen bei allen Anbietern in allen Tarifen durchweg zu gleichen Beitragsreaktionen führen wird, erwarte ich nicht. Die Unternehmen werden schon versuchen, sich vom Wettbewerber abzusetzen. Versicherungsmathematisch sicher ist aber bereits jetzt: Überall dort, wo bisher das Geschlecht in der Kalkulation eine Rolle spielte, werden die Prämien im Schnitt steigen. Das betrifft etwa Lebens-, Renten-, Pflege- und private Krankenversicherungen.

mm: Wo werden Frauen und Männer ab Dezember vermutlich mehr oder weniger zahlen?

Kleinlein: Die Beiträge in der Renten- und Pflegeversicherung dürften für Männer gegenüber dem jetzigen Niveau zunächst deutlich anziehen. Ob die Preise deshalb im gleichen Ausmaß für Frauen fallen werden, ist nicht zu erwarten. Bei der Risikolebensversicherung ist es umgekehrt: Frauen werden hier höhere Prämien zahlen müssen. Ob es deshalb spürbar günstiger für Männer wird, steht in den Sternen.

mm: Wagen Sie eine Prognose: Wie stark könnte sich die Rentenversicherung für Männer oder eine Risikolebensversicherung für Frauen verteuern?

Kleinlein: Bei Risikolebensversicherungen kommt es entscheidend auf das Alter der Personen an. Für Frauen kann das eine Preiserhöhung von 20 bis 30 Prozent bedeuten, weil der Versicherer sie auf diese Weise die höhere Sterbewahrscheinlichkeit der Männer mit ausgleichen lässt. Bei fairen Versicherern wird es dann im Gegenzug für Männer um etwa 10 Prozent günstiger. Die Rentenversicherung für Männer wiederum dürfte sich vorsichtig geschätzt um gut 5 Prozent verteuern.

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Zur Person

Axel Kleinlein ist diplomierter Versicherungsmathematiker und seit Oktober 2011 Vorstandsvorsitzender des Bund der Versicherten (BdV). Zuvor kalkulierte er Produkte für die Allianz, wechselte dann die Seiten, arbeitete für Verbraucherverbände, "Finanztest", "Öko-Test" sowie als mathematischer Gutachter vor Gericht.









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