Sonntag, 29. März 2015

Riester-Rente Verbraucherschützer verklagen Allianz

Alle Informationen auf einem Blatt? Von wegen - wer seine Riester-Rente wirklich verstehen will, muss Geschäftsberichte, Versicherungsbingungen und vieles mehr lesen - behaupten Verbraucherschützer

Der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentrale Hamburg ziehen gegen die Allianz vor Gericht. Ihre Riester-Rente diskriminiere Ältere, kindereiche Familien und Geringverdiener bei der Gewinnbeteiligung, so die Verbraucherschützer. Der Konzern dementiert heftig.

Hamburg - Schon länger beklagen Verbraucher, die Riester-Rente sei zu kompliziert, daher unverständlich und intransparent. Schon länger kritisieren Verbraucherschützer, einige Lebensversicherer hätten die Produkte in den vergangenen Jahren ganz gezielt immer komplexer gestaltet, damit der Kunde seinem Anbieter nicht auf die Schliche kommt - um etwa die Leistungen genau nachvollziehen zu können.

Axel Kleinlein, der vor ziemlich genau einem Jahr für "Öko-Test" 144 Riester-Renten-Angebote einem Renditecheck unterzogen hatte, dazu das Kleingedruckte der Verträge, der Versicherungsbedingungen und Geschäftsberichte analysiert hatte, kam auch in punkto Transparenz zu einem harten Urteil: "Da wird verschleiert, versteckt und verschwiegen.", so Kleinleins Urteil.

Der Verbraucher könne anhand der Unterlagen weder erkennen, was sein Vertrag tatsächlich koste, noch die ihm versprochenen Leistungen nachvollziehen, sagte der Versicherungsmathematiker im Interview.

So informierten einzelne Anbieter nicht darüber, dass sie bestimmte Kunden geringer an den Überschüssen des Unternehmens beteiligen, nur weil diese weniger Geld in ihren Vertrag einzahlen oder mehr staatliche Zulagen erhalten als andere Versicherte. Im Ergebnis bedeute dies, dass Geringverdiener oder Familien mit Kindern bei der Riester-Rente schlechter abschneiden als gut verdienende Singles. Die ursprüngliche Intention der Riester-Rente werde damit auf den Kopf gestellt.

An diesem Befund hat sich offenbar nichts geändert. Im Gegenteil: Der Bund der Versicherten (BdV) und die Verbraucherzentrale Hamburg haben die Allianz Leben ultimativ aufgefordert, den Vertrieb der "Allianz RiesterRente Klassik" in ihrer jetzigen Form zu stoppen.

"Die Vertragsbedingungen sind intransparent, widersprechen dem Versicherungsvertragsgesetz, diskriminieren Ältere, Kinderreiche und Geringverdiener. Zudem missachten sie ein vom BdV erstrittenes Verfassungsgerichtsurteil", fasst Kleinlein die Kritik an der "Allianz-Klassik-Rente" zusammen.

Die Allianz wird aber weder die eingeforderte Unterlassungserklärung abgeben noch den Vertrieb der Police stoppen, wie ein Sprecher gegenüber manager magazin online erklärte. Daher werden die Verbraucherschützer jetzt gegen den Konzern vor Gericht ziehen. "Wir haben die Allianz intern mehrfach auf das Problem angesprochen, passiert ist nichts. Dann müssen jetzt die Richter entscheiden", kündigte der BdV-Vorsitzende Kleinlein den Gang zum Gericht an.

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