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01.06.2012
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Betriebsrente oft ein Verlustgeschäft

Von Lutz Reiche

Vorsorge über den Betrieb: Arbeitnehmer sollten nur dann in eine Betriebsrente investieren, wenn der Arbeitgeber günstige Kollektivtarife anbietet und möglichst etwas dazuzahlt, raten unabhängige Experten
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Vorsorge über den Betrieb: Arbeitnehmer sollten nur dann in eine Betriebsrente investieren, wenn der Arbeitgeber günstige Kollektivtarife anbietet und möglichst etwas dazuzahlt, raten unabhängige Experten

Die betriebliche Altersversorgung ist bequem und lukrativ, sagen ihre Befürworter. Eine Analyse räumt mit dieser These jetzt radikal auf. In acht von zehn Fällen fahre der Arbeitnehmer mit der garantierten Rente nur Verluste ein. Die Kritik auf die Studie folgt prompt.

Hamburg - Lange Zeit fristete die betriebliche Altersversorgung in Deutschland ein bescheidendes Dasein. Fahrt nahm die "Rente vom Chef" erst mit dem Jahr 2002 auf. Seitdem haben Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf, dass der Arbeitgeber Teile ihres Gehalts in einen Vorsorgevertrag investiert. Mindestens jeder zweite baut so bereits eine Betriebsrente auf, schätzt die Unternehmensberatung Mercer. Einer repräsentativen Umfrage der Gothaer Versicherung aus dem Jahr 2011 zufolge sind es gar 62 Prozent.

Das wäre beachtlich, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2003 erst vier von zehn Arbeitnehmern für eine Betriebsrente sparten und viele kleinere und mittlere Betriebe nach wie vor keine betriebliche Altersversorgung (BAV) anbieten. Zahlen zum Verbreitungsgrad der BAV sind aber mit Vorsicht zu genießen. Die letzte amtliche Erhebung stammt aus dem Jahr 2008. Mit 49 Prozent kommt eine aktuelle repräsentative Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity auf deutlich niedrigere Werte.

Glaubt man Heribert Karch, ficht das die Betriebsrente nicht an. Der Chef der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba) und Geschäftsführer der "Metallrente", des deutschlandweit größten Versorgungswerks, hält die Vorsorge über den Betrieb für die effizienteste und kostengünstigste Vorsorgeform. Der privaten Riester- und Rürup-Rente sei sie oft sogar überlegen - nicht zuletzt durch die Nachfragemacht des Arbeitgebers. Zudem gilt die Betriebsrente als bequem, kümmert sich in der Regel doch der Arbeitgeber um den Durchführungsweg, die Wahl des Anbieters und den Tarif.

Doch was leisten Produkte der BAV, in die viele Versicherer große Hoffnung setzen, um das lahmende Neugeschäft wieder anzukurbeln? "Öko-Test" hat 184 Tarife der beiden beliebtesten Durchführungswege Direktversicherung und Pensionskasse für einen 55-jährigen Arbeitnehmer untersucht, der monatlich 175 Euro seines Bruttolohns in einen Vertrag investiert und mit 65 Jahren in Rente gehen will. Das Testurteil fällt vernichtend aus.

Arbeitgeber geht unter Umständen hohes Haftungsrisiko ein

85 Prozent der analysierten Direktversicherungen und 82 Prozent aller Pensionskassen mit jeweils klassischer Anlagepolitik garantierten dem Mann zu Rentenbeginn keinen Kapitalerhalt. Mit anderen Worten: Der Kunde kann nicht davon ausgehen, dass zu Rentenbeginn wenigstens die eingezahlten Beiträge auf seinem Rentenkonto stehen. Vorausgesetzt der Direktversicherer oder die Pensionskasse erwirtschaften keine Überschüsse, machte der Arbeitnehmer mit seiner Betriebsrente bei den meisten Tarifen also ein Verlustgeschäft.

Für viele der untersuchten Tarife sei daher fraglich, ob sie überhaupt den Vorgaben des Betriebsrentengesetzes genügen. Demnach muss ein Arbeitnehmer für seinen Gehaltsverzicht eine "wertgleiche Versorgungszusage" bekommen, erläutert Betriebsrentenexperte und Anwalt Johannes Fiala. Sei absehbar, dass der Kunde zu Rentenbeginn weniger Garantiekapital herausbekommt als er eingezahlt hat, könne von einer "Wertgleichheit" kaum noch die Rede sein.

In diesem Fall ginge der Arbeitgeber ein nicht zu unterschätzendes Haftungsrisiko ein. Gleich ob er die BAV selbst organisiert oder einen Versicherer oder eine Pensionskasse damit beauftragt - im Zuge seiner Fürsorgepflicht habe der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass bei Tarifen zur Entgeltumwandlung wenigstens der Kapitalerhalt gewährleistet ist. "Letztlich muss der Betrieb dafür haften", sagt Fiala. Das heißt: Die Umwandlungsvereinbarungen müssten dann unter Umständen rückgängig gemacht werden. Im Extremfall drohten dem Arbeitgeber sogar strafrechtliche Konsequenzen. "Es könnte der Verdacht der Veruntreuung von Arbeitsentgelt aufkommen", warnt Fiala.

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